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Trotz des sich zuspitzenden Streits sind sich die EU-Außenminister weiterhin darin einig, dass die Beitrittsgespräche mit der Türkei wie geplant am 3. Oktober beginnen sollen. Allerdings konnten sie sich nicht auf eine einheitliche Reaktion bezüglich der Weigerung Ankaras einigen, die Republik Zypern anzuerkennen. Ein Sprecher der britischen EU-Ratspräsidentschaft erklärte im walisischen Newport, die Türkei dürfe keines der 25 EU-Mitglieder diskriminieren.
Bundesaußenminister Joschka Fischer sprach sich erneut für die Aufnahme der Beitrittsverhandlungen aus. Die Entscheidung der Staats- und Regierungschefs vom Dezember 2004 müsse umgesetzt werden. Sein dänischer Amtskollege Per Stig Möller verwies darauf, dass eine Anerkennung Zyperns nie zur Vorbedingung für den Start der Gespräche gemacht wurde. Der türkische Außenminister Gül sieht jedenfalls keine Hürden mehr für den planmäßigen Beginn der Gespräche. Allerdings hatte die Türkei auch mit dem Rückzug des Beitrittswunsches gedroht, sollte die EU neue Auflagen und Bedingungen stellen. Diese will den Verhandlungsrahmen in den kommenden Wochen noch endgültig abstecken.
Verhandlungen ohne Beitrittsgarantie
Im Dezember vergangenen Jahres hatten die EU-Staats- und Regierungschefs auf ihrem Gipfeltreffen beschlossen, dass am 3. Oktober Beitrittsverhandlungen mit der Türkei beginnen sollen. Hier ein kurzer Überblick:
Die EU-Außenminister sollten auf ihrem Treffen den Verhandlungsrahmen für die Beitrittsgespräche festlegen. Nun liefert der Streit um Zypern den Türkei-Kritikern in der EU, etwa Frankreich oder Österreich, neue Munition. So hatte die österreichische Außenministerin Ursula Plassnik bereits im Vorfeld des Treffens wiederholt die Änderung des Verhandlungsrahmens gefordert. Die österreichische Regierung will stärker herausstellen, dass die Beitrittsgespräche nicht zwangsläufig zu einer EU-Vollmitgliedschaft der Türkei führen.
Das Europaparlament will seine Stellungnahme zum sogenannten "Ankara-Protokoll" für die Zollunion auf Ende September verschieben. Grund dafür sei die Weigerung der Türkei, den griechischen Teil Zyperns anzuerkennen. Da Zypern so keinen Zugang zu türkischen See- und Flughäfen bekomme, mache das Abkommen keinen Sinn, erklärte Elmar Brok (CDU), der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses.
Unionsparteien bekräftigen Nein zur Mitgliedschaft
Auch die CDU/CSU beharren weiterhin auf ihrem Modell einer "privilegierten Partnerschaft" und der Ablehnung einer türkischen EU-Mitgliedschaft. Dabei hatte die CSU das Konzept der "privilegierten Partnerschaft" präzisiert sowie Verbesserungen in zahlreichen Politikfeldern in Aussicht gestellt. Demnach dürften Verhandlungen mit der Türkei nur dann beginnen, wenn im Mandat der EU-Kommission auch entsprechende Alternativmodelle berücksichtigt werden. So könne es auf wirtschaftlicher Ebene beispielsweise die Ausweitung der Zollunion auf noch nicht berücksichtigte Agrarprodukte wie Joghurt und Kartoffeln geben. Zudem seien Visa-Erleichterungen für die Bewohner grenznaher Regionen oder eine Ausdehnung der visafreien Regelungen denkbar. Eine vollständige Arbeitnehmerfreizügigkeit soll es jedoch nicht geben.
Politisch will man die Türkei ebenfalls enger an die EU binden. Demnach soll ein gemeinsamer Ausschuss mit Vertretern der EU-Kommission, den EU-Mitgliedstaaten und dem türkischen Botschafter einmal im Monat tagen. Zudem sollen sich zwei Mal jährlich die Außenminister der EU und der Türkei treffen. Außerdem plädiert die Union für einen Gemeinsamen Parlamentarischen Ausschuss, dem Abgeordnete des Europaparlaments und des türkischen Parlaments angehören.
"Eine privilegierte Partnerschaft ist besser als eine unterprivilegierte Mitgliedschaft", sagte CSU-Außenpolitiker Karl-Theodor zu Guttenberg gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. Auch die Unionskanzlerkandidatin Angela Merkel unterstrich auf einer Wahlkampfveranstaltung in Karlsruhe: "Die Bürger der EU haben auch das Recht zu wissen, wo die Grenzen Europas sind". Die Türkei könne nicht Vollmitglied der EU werden. Der türkische Außenminister Gül griff Merkel dafür scharf an. Ihr Vorschlag, der Türkei anstelle einer EU-Mitgliedschaft eine "privilegierte Partnerschaft" anzubieten, sei "rechtswidrig und unmoralisch".
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Erstveröffentlichung am 02.09.2005 |
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