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Was ist Sucht?


Nikotin, Drogen oder Alkohol - sie haben eines gemeinsam: Sie machen süchtig. Doch was ist eigentlich eine "Sucht"? Welche Formen von Sucht gibt es und wie sind die Symptome? Hier möchten wir einen Überblick geben.

Sucht
© "daylight" / aboutpixel
Im allgemeinen definiert sich Sucht als ein zwanghaftes Bedürfnis auf eine bestimmte Substanz, wobei man für gewöhnlich zwischen einer psychischen und einer körperlichen Sucht unterscheidet. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat den Begriff der "Sucht" im offiziellen Sprachgebrauch jedoch mittlerweile durch die Wörter "Missbrauch" und "Abhängigkeit" ersetzt. Insgesamt leiden derzeit etwa fünf bis sieben Prozent der Bevölkerung in Deutschland unter einer Abhängigkeit. Dabei rangiert die Alkoholabhängigkeit mit etwa zweieinhalb bis drei Millionen Betroffenen an erster Stelle. Danach folgen Psychopharmaka wie etwa Heroin, Kokain oder Opium, organische Lösungsmittel (Schnüffelsucht) und Designerdrogen, wie etwa Ecstasy.

Den angenehmen Wirkungen wie Euphorie, Glücksgefühl oder einem Abbau von Hemmungen folgen meist Nebenwirkungen wie Schlafstörungen, Organschäden, Infektionen - zum Beispiel mit Hepatitis oder HIV beim Drogenkonsum - oder Vergiftungserscheinungen. Seit den achtziger Jahren geht die allgemeine Suchtforschung von verschiedenen Faktoren aus, die zu einer Sucht oder Abhängigkeit führen können. Dabei spielen vornehmlich biologische, soziale, psychische und gesellschaftliche Faktoren eine Rolle.

Der Konsum von Drogen und Alkohol ist beinahe schon so alt wie die Menschheitsgeschichte. So sind bereits von den alten Ägyptern und den Griechen Trinkgelage überliefert. Heute ist die Sucht jedoch eine der größten gesellschaftlichen und gesundheitspolitischen Probleme unserer Zeit. So wird dadurch die Arbeitsfähigkeit teils massiv eingeschränkt, es entstehen hohe direkte und indirekte Kosten und auch im sozialen Umfeld kann Abhängigkeit zu schwerwiegenden Folgen führen.

Symptome und Suchtformen

Die Abhängigkeit von bestimmten Stoffen äußert sich dabei in vielen Symptomen. Auf psychischer Seite sind dies zum Beispiel:

  • Interessenverlust;
  • Stimmungsschwankungen;
  • Gleichgültigkeit;
  • Ängstliche Unruhe.
Körperliche Symptome sind vor allem:
  • Schwitzen;
  • Übelkeit;
  • Gewichtsverlust;
  • Schlafstörungen;
  • Neuralgische Ausfälle.
In den gängigen Diagnoseschemata werden heute im weitesten Sinne zwischen verschiedenen Suchtformen unterschieden:
  • Alkoholsucht: diese ist eine chronische Krankheit, die durch einen übermäßigen Alkoholkonsum verursacht wird sowie bleibende psychische und körperliche Folgeschäden auslösen kann, zum Beispiel Leberzirrhose, Magenblutungen, Epilepsie oder Wahrnehmungs- und Hirnstörungen oder Psychosen.
  • Arbeitssucht: diese zeichnet sich durch einen übermäßigen Arbeitseinsatz aus, der allmählich zu einem krankhaften Suchtverhalten führen kann.
  • Internetsucht: darunter versteht man das zwanghafte Bestreben, sich oftmals stundenlang mit dem Internet zu beschäftigen. Das Internet spielt dabei die Hauptrolle im Leben - die normalen Lebensgewohnheiten werden eher vernachlässigt.
  • Kaufsucht: dabei handelt sich um das zwanghafte Verhalten, etwas zu Kaufen. Dabei geht es nicht um den gekauften Gegenstand, sondern um den sekundenlangen Vorgang des Kaufens an sich
  • Nikotinsucht: darunter versteht man die Gewöhnung und Abhängigkeit von Nikotin, die sich durch den Konsum von Tabakprodukten einstellt. Dazu zählen unter anderem Zigaretten, Zigarillos, Zigarren, Tabakpfeifen oder Schnupf- und Kautabak.
  • Spielsucht: darunter versteht man im allgemeinen die Abhängigkeit von kommerziellen Glücksspielen oder Wetten.
  • Tablettensucht: sie ist nach Alkoholmissbrauch die häufigste Suchtform in Deutschland. Allein 1,4 Millionen Menschen sind von Medikamenten abhängig, vor allem Frauen und ältere Menschen. Besonders bei Beruhigungsmitteln aus der "Valium-Familie" besteht auch ein gewisses Suchtpotenzial. Dabei können Patienten oft jahrelang von Medikamenten abhängig sein, ohne dass es die Umwelt bemerkt. Zudem gibt es in Deutschland derzeit nur wenige Selbsthilfegruppen, die sich mit dieser Sucht beschäftigen.
Eine Suchtbehandlung erfolgt meist in vier Phasen:
  1. eine Kontakt- und Motivationsphase;
  2. eine Entgiftungsphase (körperlicher Entzug);
  3. eine Entwöhnungsphase durch eine psychotherapeutische Behandlung;
  4. eine Nachsorge- und Vorbeugungsphase sowie eine Rückfallvorsorge in Selbsthilfegruppen.
Allerdings besteht dabei auch das Risiko einer so genannten "Suchtverlagerung", worunter man das Ausweichen eines Suchtkranken auf ein anderes Suchtverhalten versteht. So hat beispielsweise ein Alkoholkranker, der zwar mit dem Trinken aufgehört hat, dafür aber Medikamente oder andere Drogen konsumiert, seine Abhängigkeit nicht beendet, sondern nur auf eine andere Substanz verlagert.

Legale und illegale Drogen

Berauschende Substanzen begleiten den Menschen schon seit jeher. Bereits vor etwa 9.000 Jahren gab es bereits Vorformen von Bier oder Wein. Zudem wurden vor allem aus religiösen und kulturellen Gründen auch zahlreiche pflanzliche Substanzen genutzt, um Rauschzustände zu erzeugen. Heute werden Drogen entweder gegessen, getrunken, inhaliert, geschnupft oder gespritzt. Juristisch unterscheidet man für gewöhnlich zwischen "legalen" und "illegalen" Drogen.

Zu den "legalen" Drogen gehören Alkohol und Tabak - beide sind jedoch auch zu schweren Belastungen für die Industrienationen geworden. Allein in Deutschland sind etwa 6,8 Millionen Menschen nikotinabhängig - die Zahl der schwer alkoholabhängigen Menschen wird etwa auf 1,6 Millionen geschätzt. Viele Menschen werden Opfer aufgrund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die auf das Rauchen zurückgehen. Allein in den USA musste die Tabakindustrie bereits viele Hundert Milliarden US-Dollar an Schadensersatz zahlen.

Als "illegale Drogen" gelten alle pflanzlichen oder künstlichen Substanzen, die im Betäubungsgesetz aufgelistet sind. Zu den bekanntesten Drogen gehören Haschisch beziehungsweise Marihuana, Crack, Kokain, Heroin oder synthetisch hergestellte Drogen - so genannte "Designer-Drogen". Gemäß den gesetzlichen Bestimmungen sind der Erwerb, der Handel, der Besitz und die Herstellung nur unter sehr strengen gesetzlichen Auflagen erlaubt, wie für medizinische oder Forschungszwecke.

Die bekanntesten Suchtmittel

Zu den bekannteste Suchtmittel sind:

  • Alkohol: Dieser besteht chemisch aus einer Verbindung von Kohlen-, Sauer- und Wasserstoff. Zudem ist Alkohol ein natürlich vorkommendes Produkt in Früchten und Säften, der durch die Vergärung von zucker- oder stärkehaltigen Substanzen durch Hefe oder Bakterien entsteht. Durch die Destillation kann zudem der Alkoholgehalt noch erhöht werden, wie dies Spirituosen der Fall ist. Der Konsum von Alkohol wirkt sich vor allem auf das Nervensystem und speziell das Gehirn aus: So werden beispielsweise das Blickfeld verengt ("Tunnelblick") oder die Reaktionszeiten verlangsamt. Zudem hat Alkohol auch Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit und Sexualität. In größeren Mengen kann der Genuss von Alkohol jedoch nicht nur abhängig machen, sondern sogar zu Vergiftungen oder dem direkten Tod führen.
  • Nikotin: Dies ist ein Alkaloid, das in einer Reihe von Nachtschattengewächsen vorkommt, darunter auch der Tabakpflanze. Das starke Nervengift Nikotin ist eine ölige, farblose und wasserlösliche Flüssigkeit, die sich bei Luftkontakt braun färbt. Benannt wurde es nach dem französischen Diplomaten und Gelehrten Jean Nicot, der den Tabak im 16. Jahrhundert in Europa eingeführt haben soll. Nikotin wirkt vor allem auf das Nervensystem - die Suchtgefahr beruht vor allem auf die Einflüsse auf die Psyche. Zu den Entzugssymptomen gehören vor allem Nervosität, mürrische oder depressive Stimmung, Aggressivität, Unruhe, Schlafstörungen oder ein starkes Rauchverlangen. Weitere Suchtstoffe sind zudem etwa 600 Zusatzsubstanzen, die dem Tabak beigemischt werden, um die schnellere Aufnahme des Nikotins in Blutbahn und Gehirn zu ermöglichen. Zwar bietet die Tabakindustrie in den USA "Ökozigaretten" an, die reinen Tabak ohne Zusatzstoffe enthalten sollen. Allerdings hütet sie die chemischen Zusätze auch weiterhin wie ein Geheimnis.
  • Drogen: Die Klassifizierung von Drogen erfolgt in der Regel nach unterschiedlichen Kriterien: nach Wirkung, nach hart oder weich und nach Stoffklasse. Allerdings sind alle Rauschdrogen psychoaktiv. Zudem wird zwischen pflanzlichen oder Pilzdrogen, tierischen Drogen und chemischen bzw. synthetischen hergestellten Drogen. Hier ein kleiner Überblick:
    • Zu den pflanzlichen Drogen gehören unter anderem Hanf, Kath, Kokain, Tabak oder Schlafmohn.
    • Zu den chemischen Drogen gehören unter anderem Heroin, LSD oder auch verschiedene Lösungsmittel.
    • Zu den tierischen Drogen gehört unter anderem das Sekret der Aga-Kröte.
Zu den bekanntesten "illegalen" Drogen gehören:
  • Kokain ist eine Droge, aus der Kokapflanze gewonnen wird, die in Südamerika und Java angebaut wird. Es kann aber auch vollsynthetisch hergestellt werden. Diese kann den Konsumenten leistungsfähiger machen, führt aber sehr schnell zur Abhängigkeit. Zu den gesundheitlichen Folgen gehören unter anderem Herzrhythmusstörungen, Atemstörungen oder psychische Störungen. Noch gefährlicher ist jedoch Crack - mit Backpulver aufgemischtes Kokain.
  • Heroin wird in verschiedenen Formen synthetisch hergestellt und verwendet. Es wirkt euphorisierend, schmerzlindernd und schlaffördernd. Es gehört zu den Drogen mit dem höchsten Suchtpotenzial. Insbesondere wenn es mit anderen Drogen oder Alkohol konsumiert wird, kann es zu Atemstillstand führen.
  • Opium ist ein getrockneter Stoff, der aus der Mohnpflanze gewonnen wird. Es enthält verschiedene Opiate, darunter Morphium oder Kodein.
  • Cannabis ist die weltweit meistkonsumierte Droge, die aus verschiedenen Hanfsorten hergestellt und in drei Grundsorten unterteilt wird. Ihr Anteil am illegalen Drogenmarkt beträgt etwa 50 Prozent. Nach Schätzungen der UNO konsumieren etwa 400 Millionen Menschen diese Droge.
  • LSD - auch Lysergsäurediethylamid genannt - ist eine psychoaktive Substanz, die viele Konsumenten in einen Zustand versetzt, der einer Psychose durchaus gleichkommt. Dadurch verlieren die Konsumenten durchaus auch das Gefühl für Gefahren. Eine weitere Gefahr birgt auch die so genannte "Schwarzmarktware", deren Zusammensetzung und Dosierung nie genau zu erkennen ist.
  • Ecstasy ist eine synthetische Droge aus Amphetaminen, die vor allem in Diskotheken oder auf Partys in großer Anzahl gehandelt und konsumiert wird. Allein in Deutschland gibt es schätzungsweise weit mehr als eine Million Menschen, die diese Droge konsumieren - bei etwa 100.000 bis 150.000 Abhängigen. Die Einnahme führt dazu, dass in großer Menge das Stresshormon Adrenalin freigesetzt wird. Die Folgen sind ein gesteigertes Leistungsvermögen, ein fehlendes Schlafbedürfnis, Herzrhythmusstörungen, eine beschleunigte Herzfrequenz und ein gesteigerter Blutdruck.
Traurige Statistiken

Allein 2004 starben 1.385 Menschen an übermäßigem Drogenkonsum, so der Bericht der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Marion Caspers-Merk. Dies entspricht einem Rückgang um sechs Prozent seit 2000. Zudem liegt die Zahl der tabakbedingten Todesfälle in Deutschland bei über 110.000 pro Jahr. Die Zahl der Todesfälle durch Alkoholkonsum wird auf etwa 42.000 pro Jahr geschätzt - etwa 1,6 Millionen Menschen sind alkoholabhängig, weitere 2,7 Millionen Menschen weisen ein so genanntes "Missbrauchsmuster" auf.

Weltweit haben laut Angaben der UNO etwa 200 Millionen Menschen in den vergangenen zwölf Monaten Drogen konsumiert. Damit zählen etwa fünf Prozent der Weltbevölkerung zwischen 15 und 64 Jahren als Suchtgiftkonsumenten. Der Umsatz der illegalen Drogengeschäfte beträgt zudem laut Expertenschätzungen etwa 321,6 Milliarden US-Dollar (266 Milliarden Euro). Dieser sei demnach "größer als die einzelnen Bruttoinlandsprodukte von fast 90 Prozent der Staaten" weltweit, so das Fazit des Drogenberichts 2005 vom UN-Büro zur Bekämpfung von Drogen und Kriminalität (UNODC).

Weitere Informationen:

 Erstveröffentlichung am 13.07.2005


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