Tobias Daniel   -   Online-Redakteur

Redaktion                     PR                     Webdesign

 Startseite

  Über mich

  Leistungen

  Texte

  Links

  Kontakt

  Impressum

Ein Europa ohne Trennlinien


Es war kein historischer Gipfel, doch das Ambiente, in dem er stattfand, war durchaus historisch - der Gipfel zwischen der EU und Russland. Anlass des Treffens waren die Jubiläumsfeiern zum 300-jährigen Bestehen von Russlands heimlicher Hauptstadt Sankt Petersburg.

Neben den 15 Mitgliedstaaten der Union nahmen erstmals auch die Staats- und Regierungschefs der zehn Beitrittskandidaten an dem Gipfel teil. Es war das erste große Treffen nach den Zerwürfnissen wegen des Irak-Krieges mit dem erklärten Ziel, einen Neuanfang zu versuchen. Auch US-Präsident George W. Bush sprach sich kurz nach seiner Ankunft in Sankt Petersburg für eine "starke transatlantische Allianz" aus.

Bei dieser Gelegenheit äußerte der russische Präsident Wladimir Putin seine Besorgnis über die Auswirkungen der EU-Osterweiterung auf Russland. "Die Erweiterung soll Russland Beziehungen zu Europa stärken, nicht schwächen", betonte Putin. Und dennoch: die Union hat sich für eine weitere Öffnung nach Osten ausgesprochen. Das Ziel: ein "Europa ohne Trennlinien".

Doch das alte Misstrauen zwischen Ost und West war auf beiden Seiten noch zu spüren. Einige Teilnehmer verschwiegen nicht, dass sich hinter mancher europäischer Vision eine ebenso graue Wirklichkeit verbirgt wie hinter den eilig getünchten Fassaden in Sankt Petersburg.

Visumpflicht soll abgeschafft werden

EU-Außenbeziehungen
In ihrem Abschlusskommuniqué kamen beide Seiten überein, die Visumpflicht langfristig abzuschaffen. Ein konkretes Datum wurde jedoch nicht genannt. Bundeskanzler Gerhard Schröder erklärte: "Es schafft eine Perspektive - noch nicht mehr, aber immerhin eine Perspektive - für visafreien Reiseverkehr". Russlands Präsident Putin hingegen hatte sich für einen raschen visafreien Reiseverkehr ausgesprochen. Viele Russen sähen in der Erweiterung der EU "eine neue Berliner Mauer", die nur ihre Bewegungsfreiheit einschränke, so Putin. Auch der französische Staatspräsident Jacques Chirac sprach sich dafür aus, die Visa-Pflicht zu lockern. Frankreich befürworte "mittelfristig das Ziel der Reisefreiheit russischer Bürger in die EU und von EU-Bürgern in Russland". Chirac regte an, zunächst eine "deutliche Lockerung" bei der Vergabe von Visa zu prüfen, bis eine völlige Reisefreiheit zwischen der EU und Russland möglich sei.

EU-Kommissionspräsident Romano Prodi verwies aber auch auf die ungelösten Probleme mit Russland. "Wir sollten nicht nur an der Visafrage arbeiten, sondern auch über die Kriminalität und die Grenzkontrollen sprechen", sagte Prodi. Die EU ist vor allem besorgt über die illegale Einwanderung und den Schmuggel afghanischer Drogen über Russland nach Westen.

Tschetschenien-Konflikt und Kyoto

Ein weiteres Thema des Gipfels war auch der Krieg in Tschetschenien. So hoffen Russland und die EU auf eine echte Aussöhnung sowie auf "die Wiederherstellung der Herrschaft des Rechts" und damit auf den Schutz der Menschenrechte. Seit Jahren kämpfen moslemische Rebellen gegen die Moskauer Zentralregierung, die der abtrünnigen Republik allenfalls eine begrenzte Autonomie gewähren will. Im gleichen Atemzug verurteilen die Gipfelteilnehmer jedoch jegliche Art von Terrorismus und Gewalt, welche "die Aussicht auf eine politische Lösung gefährden könnten".

Ebenfalls in das gemeinsame Schlusskommuniqué wurde auch das Kyoto-Protokoll von 1997. Es sieht vor, den Ausstoß von Treibhausgasen in den Industrieländern um 5,2 Prozent unter den Stand von 1990 zu senken. Bislang haben 90 Staaten dieses Protokoll ratifiziert - Russland gehört jedoch noch nicht zu den Unterzeichnern.

Zudem beschlossen die EU und Russland, künftig alle Tanker mit nur einer Hülle abzuschaffen. Experten machen das Fehlen der zweiten Hülle für die verheerenden Umweltkatastrophen verantwortlich.

Neues Bernsteinzimmer eröffnet

Auch wenn die Gipfelergebnisse als keineswegs "historisch" zu bezeichnen sind - die Geschichte spielte doch eine zentrale Rolle. Höhepunkt aus deutsch-russischer Sicht: nach 24 Jahren Bauzeit eröffneten Bundeskanzler Schröder und der russische Präsident Putin eine Rekonstruktion des legendären "Bernsteinzimmers". Dutzende Spezialisten, Künstler und Handwerker waren seit 1979 damit beschäftigt, das Zimmer im alten Glanz wieder erstehen zu lassen. Immer wieder jedoch geriet das Projekt aus finanziellen Gründen ins Stocken. Insgesamt verschlang der Nachbau der "teuersten Tapete der Welt" 11,5 Millionen Dollar. Für Putin ist das neue Bernsteinzimmer jedoch ein "Symbol für die neuen Beziehungen in der vereinten europäischen Familie".

Das alte Zimmer war ein Geschenk des preußischen Soldatenkönigs Friedrich Wilhelm I. an Zar Peter I. den Großen. Während des Zweiten Weltkrieges hatten deutsche Soldaten das Zimmer geraubt und in das damalige Königsberg gebracht - seither gilt es als verschollen. Bis heute versuchen professionelle und Hobby-Historiker das Original-Bernsteinzimmer wieder aufzufinden - bislang ohne Erfolg. Selbst einige mysteriöse Todesfälle werden mit dem Bernsteinzimmer in Verbindung gebracht.

Über dessen Verbleib kursieren unterschiedlichste Gerüchte. Einige Historiker behaupten, das Zimmer sei bei einem britischen Luftangriff auf Königsberg zerstört worden. Andere behaupten, es sei in einem verschütteten Silberstollen im Erzgebirge versteckt.

Kurzinfo: Kalter Krieg
Der Begriff "Kalter Krieg" bezeichnet allgemein die Konfrontation zwischen zwei oder mehreren Staaten bzw. Blöcken, ohne dass es zu militärischen Kampfhandlungen kommt. Nach dem Zweiten Weltkrieg stand dieser Begriff als Synonym für die Auseinandersetzungen zwischen den USA und der Sowjetunion. Der politische und auch ideologische Konflikt zwischen den beiden Supermächten und Blöcken spiegelte sich vor allem auch im Wettrüsten wider. Zudem unternahmen beide Seiten teils massive politische, ökonomische und militärische Anstrengungen, um den Einfluss des jeweils anderen Lagers in der Welt einzudämmen oder zurückzudrängen.

Ein typisches Merkmal des Kalten Krieges waren auch die sogenannten "Stellvertreterkriege", das heißt: militärische Konflikte, die nicht direkt zwischen zwei oder mehreren Staaten ausgetragen werden, sondern in einem Drittstaat oder externen Territorium. Zu den bekanntesten Stellvertreterkriegen während des Kalten Krieges zählen unter anderem der Koreakrieg (1950-1953), der Vietnamkrieg (1964-1975) oder der Krieg in Afghanistan (1979-1989).

Zu den Höhepunkten des Kalten Krieges zählten die Berlin-Blockade (1948/49), der Bau der Berliner Mauer 1961 sowie die Kuba-Krise 1962, in der die USA und UdSSR am Rande eines Atomkrieges standen. Die Entspannungspolitik zwischen beiden Seiten lockerte hingegen trotz aller politischen Meinungsverschiedenheiten das ideologische und militärische Blockdenken. Mit dem Fall der Berliner Mauer 1989 sowie der Auflösung des Warschauer Paktes und dem Ende der UdSSR im Jahr 1991 endete schließlich der Kalte Krieg.

Weitere Informationen:

 Erstveröffentlichung am 02.06.2003


nach oben - Druckversion - Haftungsausschluss - Sitemap


Nachrichten

Politik:
Spiegel-Online

Wirtschaft:
Manager-Magazin

Börse:
ARD-Börse

Kultur:
ARD-Kultur

Sport:
ARD-Sport

Wetter:
Vorhersage

Feedback

Wikipedia

Europäische Union (EU)

Europäischer Rat

Russland

Sowjetunion (UdSSR)

© Tobias Daniel