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Die Beitrittsländer und ihre Menschen (III)


"Uns Litauer kann man nur durch die Geschichte verstehen", meint Alfredas Bumblauskas. "Und übrigens sind wir meistens keine Autoschieber, Menschenhändler und Schmuggler", versichert der renommierte litauische Geschichtsprofessor. Vielmehr verstehen sich die 3,5 Millionen des baltischen Staates als stolze Mitteleuropäer und Vertreter einer toleranten Gesellschaft mit Vergangenheit. So beherrschen in der Hauptstadt Vilnius Barock- und Gotikkirchen das Bild - allein im historischen Stadtzentrum sind es 20 Kirchtürme. Und statt Lenin-Statuen besetzen die Menschen wieder die öffentlichen Plätze - ob Punks, junge Manager, Pensionäre oder Familien. Vor 13 Jahre rollten hier noch Panzer der Roten Armee, um den litauischen Unabhängigkeitskampf gewaltsam niederzuschlagen.

Immerhin hatte Litauen bereits bis ins 14. Jahrhundert hinein den deutschen Kreuzrittern erfolgreich Widerstand zu leisten. Erst als letzte Europäer hatten die Litauer schließlich das Christentum angenommen. Zuvor hatte Großfürst Gediminas durch den Anschluss ukrainischer und weißrussischer Fürstentümer kurzzeitig über ein Staatsgebiet, dass sich von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer erstreckte. "Im Herzen fühlen wir uns immer noch wie eine Großmacht", sagt Bumklauskas.

Heute geben sich die Litauer modern und aufgeschlossen. Mehrsprachigkeit ist heute Normalität in der Baltenrepublik. Litauisch, Polnisch und Russisch lernen die Kinder in den Städten bereits beim Spielen auf der Straße. Englisch, Französisch und Deutsch kommen neuerdings in den Schulen hinzu. Zudem mischen sich seit jeher Ost und West im größten der drei baltischen Staaten. So galt Vilnius beispielsweise vor den Massakern des Zweiten Weltkrieges wegen seiner großen und blühenden jüdischen Gemeinde als "Jerusalem des Ostens".

Zypern: Störrische Esel

Dem Volksmund nach sind die Griechen auf der Mittelmeerrepublik Zypern "störrisch wie Esel". Sie selbst sehen dies jedoch durchaus positiv. Das Beharren auf den "Rules", die sie von den britischen Kolonialherren übernommen haben, scheint ihnen nämlich auf dem Weg in die EU durchaus geholfen zu haben. Manche bezeichnen die 715.000 Bewohner im Südteil der Insel daher auch gerne als "britische Griechen". Denn anders als die Mutterlandsgriechen reihen sie sich ruhig in die Schlange am Bankschalter ein, arbeiten konsequent, sind pünktlich und zielstrebig. Außerdem wirkt die Gesellschaft sehr konservativ - auch wenn die Menschen durchaus mediterran aufbrausend sein können, wenn ihnen etwas nicht passt.

Wirklich stolz sind die griechischen Zyprioten jedoch auf ihre Geschichte. Denn sie fühlen sich als Teil und Nachfahren der altgriechischen Kultur, die als Grundlage der heutigen westlichen Demokratie gilt. So schrieb die Presse nach der Unterzeichnung der Beitrittsverträge im April 2003: "Europa ist unsere Herkunft und unsere Zukunft." Wegen seiner geostrategisch wichtigen Position zwischen Europa, Afrika und dem Nahen Osten hat Zypern zudem auch den Beinamen "Flugzeugträger" bekommen.

Wichtigstes Gesprächsthema bei den Zypern-Griechen ist die Politik. Seit der Teilung der Insel in den griechischen Süden und türkischen Norden 1974 sind "Trennung" und "Wiedervereinigung" die Schlüsselwörter. Unvergessen sind jedoch auch die sechziger Jahre, in denen zahlreiche Massaker das Verhältnis beider Volksgruppen schwer belasteten. Damals wünschte sich die Mehrheit der griechischen Zyprioten die "Enosis" - die Vereinigung mit Griechenland. Eine Schreckensvorstellung, vor der sich auch noch heute viele türkische Zyprioten fürchten. Doch ungeachtet, ob die Wiedervereinigung kommen wird oder nicht: die Zyprioten im Süden - die vier mal mehr verdienen, als die Türken im Nordteil und deren Durchschnittseinkommen sogar höher liegt als in Griechenland - fürchten bereits, dass sie am Ende den Preis zahlen werden.

Malta: katholisch, engagiert und gastfreundlich

Wie kaum ein anderes Inselvolk mussten sich die Malteser in den vergangenen 7.000 Jahren ihrer Geschichte immer wieder mit Invasoren arrangieren - ob Phönizier, Römer, Araber, Normannen oder Briten. Auch wenn ihre Vorfahren die Eindringlinge stets mit Misstrauen und Skepsis betrachtet hatten - heute sind die Fremden höchst willkommen. Denn der Tourismus ist wohl der wichtigste Wirtschaftszweig Maltas. Und die Touristen sind durchaus angetan von der maltesischen Gastfreundschaft.

Doch egal, wer gerade auf Malta herrschte - der Glaube ist den Bewohnern bis heute als nationale Identität geblieben. Bis auf eine verschwindende Minderheit sind die Malteser heute streng katholisch. Immerhin können sie auf das Jahr 60 n.Chr. verweisen, als der Apostel Paulus als Schiffbrüchiger auf der Insel strandete - und die Menschen binnen drei Monaten zum Christentum bekehrte. So stehen auf Malta rund 400 Kirchen, dass mit gerade mal 316 Quadratkilometern das kleinste EU-Mitglied sein wird.

Neben der Religion ist auch die gemeinsame Sprache ein großes nationales Bindeglied des Inselvolkes. Maltesisch - ab dem 1. Mai eine offizielle Sprache in der EU - hat arabische Wurzeln und starke Elemente des sizilianischen Dialektes sowie des Italienischen. Daneben gilt jedoch auch Englisch als Amtssprache. Das fördert immerhin die Weltoffenheit, die bei vielen Maltesern anscheinend im Blut liegt. Denn schätzungsweise eine Million Menschen maltesischer Herkunft leben in anderen Ländern. Allerdings kehren viele Emigranten nach 30 oder 40 Jahren wieder nach Malta zurück, um dort ihren Lebensabend zu verbringen.

Dort frönen sie dann neben der Wettleidenschaft auch der südländischen Fußballbegeisterung. Da die heimischen Klubs jedoch international unbedeutend sind und die Nationalmannschaft Maltas wenig erfolgreich spielt, schlägt das Fußballherz der Fans entweder für italienische oder für englische Spitzenvereine. Und ein Länderspiel zwischen Italien und England ist auf Malta immer ein sportlicher Höhepunkt.

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Weitere Informationen:

 Erstveröffentlichung am 30.04.2004


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