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Serben und Albaner an einem (Verhandlungs-)Tisch


Erstmals seit dem Ende des Kosovo-Krieges vor vier Jahren sind Serben und Kosovo-Albaner Anfang der Woche zu direkten Gesprächen in Wien zusammengekommen. Es sei ein wichtiges Treffen, meinen die internationalen Vermittler. Doch der erste Schein trügt, denn die Spitzenpolitiker der beiden verfeindeten Parteien sind nur unter massiven Druck der UNO in der österreichischen Hauptstadt zusammengekommen.

Die Stimmung war dann auch entsprechend angespannt. Beide Seiten verweigerten eine Begrüßung per Handschlag und verlasen zunächst nur Statements. Die serbische Delegation unter Ministerpräsident Zoran Zivkovic hatte sich erst in letzter Minute zu einer Teilnahme an dem Treffen teilgenommen. Die albanische Delegation wurde von Präsident Ibrahim Rugova geleitet, da Ministerpräsident Bajram Rexhepi eine Teilnahme an den Verhandlungen abgelehnt hatte. Das Kosovo-Parlament hatte sich ebenfalls gegen das Treffen in Wien ausgesprochen. Zudem fehlte auch ein Vertreter der serbischen Minderheit im Kosovo.

Solana mahnt behutsames Vorgehen

EU-Chefdiplomat Javier Solana bezeichnete das Treffen dennoch als wichtigen Schritt auf dem Weg zu mehr Stabilität auf dem Balkan. "Die dortigen Entwicklungen haben wesentliche Auswirkungen auf die Nachbarländer", sagte er. Allerdings mahnte Solana auch zu einem behutsamen Vorgehen. "Kosovo liegt im Herzen des Balkans, nicht nur geographisch, sondern auch politisch und im Hinblick auf die Sicherheit", so der Spanier. Der Leiter der UN-Übergangsverwaltung im Kosovo - der finnische Diplomat Harri Holkeri - erwartet Fortschritte bei den Verhandlungen, wenn beide Seiten den dazu notwendigen politischen Willen dazu zeigen.

"Praktische Fragen" im Vordergrund

Im Vordergrund der Gespräche sollen zunächst "praktische Themen" stehen. Die umstrittene Frage nach der Souveränität der serbischen Provinz mit albanischer Bevölkerungsmehrheit wurde ausgeklammert. Im Mittelpunkt stehen vor allem die Themen Energie und Verkehr sowie das Schicksal von 3.700 verschwundenen Albanern. Auch die Rückkehr von rund 220.000 Serben, die nach dem militärischen Konflikt 1998/99 aus dem Kosovo geflohen sind, ist ein wichtiger Verhandlungspunkt zwischen beiden Seiten. Diese Fragen sollen daher ab November 2003 in verschiedenen Arbeitsgruppen verhandelt werden.

In Status-Frage unversöhnlich

Und dennoch: in der Frage nach dem zukünftigen Status des Kosovo stehen sich Serben und Albaner weiterhin unversöhnlich gegenüber. Während die albanische Mehrheit weiterhin die Unabhängigkeit des Kosovo fordert, bekräftigte die serbische Regierung erst im August wieder ihren Anspruch auf das Gebiet. Das Thema ist so heikel, dass allein die bloße Erwähnung in Wien als diplomatisches Tabu gilt und das Scheitern der Gespräche zur Folge haben könnten.

Monument Priština
Monument Priština
© Hipi Zhdripi gemäß cc-by-sa
Der Kosovo gilt zwar völkerrechtlich immer noch als autonome serbische Provinz. Seit der militärischen Intervention der NATO im Bürgerkrieg 1999 steht das Gebiet unter der Verwaltung der UNO. Dennoch ist die Provinz - trotz 21.000 Friedensoldaten unter NATO-Mandat - bis heute nicht befriedet. Zwar wurden die blutigen Übergriffe der Serben auf die albanischstämmige Bevölkerung gestoppt. Doch nun richtet sich die Gewalt gegen die Serben - wenn auch zunächst in geringem Ausmaß. Erst Mitte August wurden zwei serbische Jugendliche beim Schwimmen erschossen - einige weitere wurden dabei verletzt.

Daniel Sewer, Balkan-Experte am US-Institute for Peace, schrieb erst kürzlich, dass weder Serben noch Albaner politische Vorteile von einem erfolgreichen der Verlauf der Gespräche sehen würden. "Ein Politiker, der zur anderen Seite zu freundlich war, wird nach der Rückkehr in seine Hauptstadt dafür büßen müssen."

Anhaltender Konflikt

Bis heute stehen sich beide Seiten nach wie vor unversöhnlich gegenüber: Im November 2007 scheiterten die Vermittlungsbemühungen der UNO zwischen Serbien und dem Kosovo, da sich beide Seiten nicht aif den künftigen Status einigen konnten. Am 17. Februar 2008 erklärte der Kosovo schließlich einseitig seine Unabhängigkeit von Serbien. Bislang haben 81 Staaten den Kosovo diplomatisch anerkannt - darunter Deutschland, Frankreich, die USA und die Türkei. Die UNO selbst betrachtet den Kosovo hingegen weiterhin als Teil Serbiens. Auch in der EU gibt bislang es keine klare Linie hinsichtlich des völkerrechtlichen Status.

Kurzinfo: Der Konflikt um das Kosovo
Der Name des Landes leitet sich vom serbischen Wort "Kosovo Polje" ab und bedeutet "Amselfeld". Während sich die albanische Bevölkerungsmehrheit als "Urbevölkerung" mit den ältesten Rechten versteht, beanspruchen die Serben die Region als Wiege ihrer Nation. Am 15. Juni 1389 unterlagen die Serben in der Schlacht auf dem Amselfeld den Osmanen. Serbien wurde daraufhin bis 1912 ein Teil des Osmanischen Reiches.

Nach dessen Zerfall wurde der Kosovo jedoch kein Bestandteil des neuen albanischen Staates, sondern wurde dem Königreich Serbien angegliedert, das 1918 in Jugoslawien aufging. Mit dem Zerfall des jugoslawischen Vielvölkerstaates nahmen die gewaltsamen Spannungen zwischen Albanern und Serben zu. Im Jare 1999 mündeten diese in den Kosovokrieg, der mit dem militärischen Sieg der NATO endete. Das Kosovo kam daraufhin unter UN-Verwaltung unter der Kontrolle der KFOR-Truppen.

Weitere Informationen:

 Erstveröffentlichung am 17.03.2003


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