So geht es um Schröder gegen Merkel oder Fischer gegen Westerwelle und alle gegen Gysi und Lafontaine. Doch letztlich stehen vor allem zwei Spitzenkandidaten im Vordergrund: denn der eine will im Bundeskanzleramt bleiben - Amtsinhaber Gerhard Schröder (SPD). Die andere will hingegen Schröder in seinem Amt beerben - die Unionskanzlerkandidaten Angela Merkel. Wir möchten Ihnen die beiden politischen Kontrahenten in einem Kurzportrait vorstellen.
Der Amtsinhaber
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Gerhard Schröder
© André Zahn / cc-by-sa |
Gerhard Schröder wurde am 7. April 1944 als zweites Kind eines Hilfsarbeiters und Obergefreiten im westfälischen Mossenberg geboren. Er wuchs in einfachen Verhältnissen auf und absolvierte nach der Volksschule zunächst eine Ausbildung bei einem Eisenwarenhändler. In Göttingen holte Schröder schließlich das Abitur nach, studierte von 1966 bis 1971 Jura und arbeitete nach 1976 als Rechtsanwalt.
Seine politische Karriere begann Schröder bei den Jusos - der SPD-Jugendorganisation - zu deren Bundesvorsitzenden er 1978 gewählt wurde. Von 1980 an war er Mitglied des Deutschen Bundestages, bevor er 1986 als Oppositionsführer in den niedersächsischen Landtag ging. Im Jahre 1990 wurde Schröder schließlich zum Ministerpräsidenten Niedersachsens gewählt - zunächst an der Spitze einer rot-grünen Koalition - von 1994 an konnte er mit einer absoluten Mehrheit regieren.
Im Jahre 1998 gelang Schröder es als Kanzlerkandidat der SPD schließlich, die sechzehnjährige Regierungszeit von Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) zu beenden. Im Jahr 2002 gelang ihm zudem des Kunststück, eine an sich aussichtslose Wahl noch einmal für sich zu entscheiden - was letztlich auch an der Hochwasserkatastrophe oder der Irak-Politik von US-Präsident George W. Bush lag.
Der einzige Posten, für den Schröder jedoch nie wirklich kämpfte, war das Amt des SPD-Bundesvorsitzenden. So blieb ihm nach dem überraschenden Abgang von Oskar Lafontaine im März 1999 letztlich nichts anderes übrig, den Bundesvorsitz der Sozialdemokraten zu übernehmen. Richtig warm geworden sind sich Schröder und die SPD jedoch nie - kein Wunder also, dass Schröder schließlich im Februar 2004 freiwillig aus dem Amt schied und für Franz Müntefering Platz machte.
Allerdings hat Schröder lange gebraucht, seine Rolle in der Politik zu finden. Außenpolitisch gelang es ihm, schnell Fuß zu fassen. So haben die Bundeswehr-Einsätze im Kosovo 1999 sowie in Afghanistan seit 2001 die Bundesrepublik zu einem respektierten Mitglied der internationalen Völkergemeinschaft gebracht. Seine Entscheidung, sich nicht am Irak-Krieg zu beteiligen, stieß jedoch auf ein geteiltes Echo. Während die USA und ihre Kriegskoalition empört reagierten - unter den Kriegsgegnern erntete er jedoch weltweite Anerkennung.
Innenpolitisch hingegen sah es dagegen jahrelang eher düster aus. Wirklich aktiv wurde seine Bundesregierung erst nach viereinhalb Jahren im Amt. Zwar konnte die rot-grüne einiges vorweisen - wie die Steuerreform, die doppelte Staatsbürgerschaft, die Riester-Rente oder die Homo-Ehe. Diese wurden jedoch von der Opposition meist mit Begriffen wie "handwerklich schlampig" belegt. Die Probleme sind jedenfalls weiterhin riesig: die Wirtschaft wächst nicht, die Arbeitslosenzahl steigt und die Mehrheit der Bevölkerung lehnt die rot-grüne Bundesregierung mittlerweile ab.
Das öffentliche Bild des Kanzlers ist zudem mehr als verschwommen: mal gibt er sich als "Genosse der Bosse", mal pflegt er die "ruhige Hand" - wie kaum einer seiner Vorgänger wurde Schröder jedoch für seinen offenen Umgang mit den Medien bekannt, was ihm auch den Ruf des "Medienkanzlers" einbrachte. Allerdings ist der Kanzler auch privater geworden. Im Vergleich zur beinahe schon öffentlich geführten Ehe mit seiner dritten Frau Hillu Schröder sind Homestories mit seiner jetzigen Gattin - der Journalistin Doris Schröder-Köpf - beinahe schon tabu. Sie ist letztlich auch diejenige, der Schröder am meisten vertraut. So gibt es keine wichtige Entscheidung, die er nicht mit ihr bespricht.
Angesichts der drängenden Probleme wirft Schröder nun die letzte Karte auf den Tisch, über die er noch verfügt: seine Kanzlerschaft. Die Menschen sollen über seine Reformpolitik abstimmen - und nicht die parteiinternen Kritiker wie Otmar Schreiner oder Sigrid Skarpelis-Sperk. Denn wenn er schon vom Hof gejagt werden soll - dann mit der Mehrheit der Bevölkerung.
Die Herausforderin
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Angela Merkel
© Armin Linnartz / cc-by-sa |
Doch all diejenigen, die Merkel nicht als "political animal" wahrnehmen wollten, mussten nun eine Niederlage einstecken. So hat die Frau aus dem Osten schon viele Männer niedergerungen - ob Schäuble, Blüm, Merz oder Seehofer. Nun sagt keiner mehr, sie könne es nicht. Vielmehr singt das CDU-Orchester heute: "Angela Merkel ist die Kanzlerkandidatin der Union. Das ist doch klar."
Angela Dorothea Merkel, geborene Kasner, wurde am 17. Juli 1954 in Hamburg geboren. Wenige Monate siedelte ihre Familie jedoch in die DDR über, als ihr Vater - ein evangelischer Pfarrer - in der Nähe vom brandenburgischen Perleberg eine Pfarrstelle antrat. Wie viele ihres Jahrgangs lebte Merkel zunächst zwischen Beatles und FDJ. Dort macht sie eine Karriere als Mitglied der Kreisleitung sowie Sekretärin für Agitation und Propaganda. Allerdings tritt sie weder der SED noch den anderen Blockparteien bei.
Nach dem Abitur absolviert sie ein Physikstudium, dass sie mit Promotion abschließt. Die Wende 1989 treibt Merkel schließlich in die Politik - sie tritt dem "Demokratischen Aufbruch" bei und engagiert sich dort als Pressesprecherin. Nach den ersten freien Volkskammerwahlen 1990 wird die stellvertretende Regierungssprecherin im Kabinett des letzten DDR-Ministerpräsidenten Lothar de Maizière. Im Dezember 1990 wird sie direkt in den ersten gesamtdeutschen Bundestag gewählt - zwischen 1993 und 2000 hatte die Pfarrerstochter das Amt der CDU-Landesvorsitzenden in Mecklenburg-Vorpommern inne.
Unter Bundeskanzler Helmut Kohl wird sie 1991 zunächst Familienministerin - 1994 übernimmt sie das Umweltressort. Hier erwirbt sie sich schnell den Ruf einer kompetenten Fachpolitikerin. Die Wahlniederlage Kohls 1998 wirkt für Merkel wie ein Katalysator. Unter dem neuen CDU-Bundesvorsitzenden Wolfgang Schäuble wird sie Generalsekretärin der Partei, wo sie jedoch eher blass bleibt.
Anfang 2000 muss jedoch auch Schäuble wegen der CDU-Spendenaffäre zurücktreten - Merkel nutzt die Gunst der Stunde und wird mit deutlich über 90 Prozent zur ersten Frau an der Spitze der Bundes-CDU gewählt. Ihre Machtbasis konnte sie noch dadurch sichern, als sie Edmund Stoiber strategisch geschickt die Kanzlerkandidatur bei den Bundestagswahlen 2002 antrug sowie von Friedrich Merz den Fraktionsvorsitz im Bundestag übernahm.
Eine häufig gestellte Frage der letzten Jahre lautete jedoch: wofür steht Angela Merkel? Ihr Projekt "neue soziale Marktwirtschaft" zeigt erst allmählich seine Konturen. Mehr Markt und Wachstum und weniger Staat lautet die Devise. Das ist auch der Grund, warum sie in der FDP den "natürlichen Koalitionspartner" sieht. Klarer sind ihre Vorstellungen in der Arbeitsmarkt- und Gesundheitspolitik: für eine Einschränkung des Kündigungsschutzes und betriebliche Tarifvereinbarungen und für die "Gesundheitsprämie" - Kopfpauschale genannt.
Auch in der Außenpolitik sind ihre Vorstellungen klar: eine enge Partnerschaft mit den USA, die auch durch Achsen zwischen Frankreich und Russland über Deutschland nicht zu ersetzen ist. Selbst beim möglichen EU-Beitritt der Türkei ist ihre Position klar: mehr als eine "privilegierte Partnerschaft" soll es nicht sein.
Selbst in Bezug auf ihr Privatleben ist ihre Haltung eindeutig: Homestories sind tabu. Immerhin hat Merkel eines schon mal durchblicken lassen: ihr Mann hat reichlich Einfluss auf die deutsche Politik, schließlich lässt sie sich gerne von ihm beraten. Die wenigen Fotos, die es von beiden gibt, stammen jedoch vom "Grünen Hügel" in Bayreuth - beide gehören nämlich zur Wagner-Gemeinde.
Deutsche Bundeskanzler - von Konrad Adenauer bis Angela MerkelDer deutsche Bundeskanzler ist gemäß der Verfassung der mächtigste Amtsträger in der Bundesrepublik, obwohl er in der protokolarischen Rangordnung Deutschlands erst an dritter Stelle steht. Als Regierungschef bestimmt er die Richtlinien der deutschen Politik und schlägt zudem die einzelnen Bundesminister vor. Der Bundeskanzler wird vom Deutschen Bundestag für vier Jahre gewählt. Vor Ablauf der Amtsperiode kann er nur durch ein konstruktives Misstrauenvotum abgelöst werden. Seit Gründung der Bundesrepublik am 23. Mai 1949 gab es bislang neun Bundeskanzler - von Konrad Adenauer bis Angela Merkel.Die Amtszeit Konrad Adenauers (1949-1963) war vor allem durch außenpolitische Ereignisse geprägt. Neben der Westbindung mit dem Beitritt zur NATO und der Gründung der EGKS standen vor allem die deutsch-französische Aussöhnung und die deutsch-jüdische Versöhnung im Mittelpunkt seiner Außenpolitik. Innenpolitisch war seine Regierungszeit vom wirtschaftlichen Aufschwung Westdeutschlands - dem sogenannten "Wirtschaftswunder" - geprägt. Adenauers Nachfolger Ludwig Erhard - Vater des Wirtschaftswunders - war als Bundeskanzler eher glücklos. Seime Amtszeit dauerte gerade mal drei Jahre. Sein Nachfolger Kurt-Georg Kiesinger bildete 1966 die erste Große Koalition von CDU/CSU und SPD in der bundesdeutschen Geschichte. Im Mittelpunkt seiner dreijährigen Amtzeit stand vor allem die Durchsetzung der Notstandsgesetze. Im Jahre 1969 zog mit Willy Brandt der erste Sozialdemokrat in das Bundeskanzleramt ein. Während seiner Amtszeit setzte er sich vor allem für die Ostverträge und die damit verbundene Aussöhnung Deutschlands mit seinen östlichen Nachbarn ein. Auch die Beziehungen zur DDR stellte er auf eine neue Grundlage. Mit der Enttarnung seines engsten Mitarbeiters Günter Guillaume als DDR-Spion trat Brandt am 6. Mai 1974 zurück. Die Kanzlerschaft von Helmut Schmidt (1974-1982) war zunächst durch den Terror der Rote Armee Fraktion (RAF) - insbesondere im Deutschen Herbst 1977 - geprägt. Innenpolitisch verfolgte Schmidt einen eher konservativen Kurs. Seine Unterstützung des NATO-Doppelbeschlusses brachte ihm zudem viel Kritik aus den eigenen Reihen ein. Am 1. Oktober 1982 wurde Schmidt als erster und bislang einziger Bundeskanzler durch ein konstruktives Misstrauensvotum von Helmut Kohl abgelöst. Mit einer Amtszeit von 16 Jahren ist er der bislang am längsten amtierende Bundeskanzler in der Geschichte. Ihren Höhepunkt fand sie zweifellos in der Wiedervereinigung Deutschlands am 3. Oktober 1990. Das Ende seiner Kanzlerschaft wurde hingegen durch die CDU-Spendenaffäre überschattet. Unter Gerhard Schröder wurde erstmals eine rot-grüne Regierungskoalition auf Bundesebene gebildet. Innenpolitisch war seine siebenjährige Amtszeit (1998-2005) vor allem durch eine Reihe von Reformprojekten - darunter der Agenda 2010 - geprägt. Außenpolitisch knüpfte Schröder - mit Ausnahme des Irak-Krieges 2003 - an die transatlantische Partnerschaft seiner Vorgänger an. Mit Angela Merkel wurde am 22. November 2005 erstmals eine Frau zur Bundeskanzlerin gewählt. Bei ihrem Amtsantritt war die Naturwissenschaftlerin zudem mit 51 Jahren die jüngste Amtsinhaberin und die erste ehemalige DDR-Bürgerin im Kanzleramt - zunächst gestützt auf eine Große Koalition zwischen CDU/CSU und Sozialdemokraten. Seit 2009 regiert sie in einer Koalition mit den Freien Demokraten. Als größte Herausforderung ihrer Kanzlerschaft gelten die Verringerung der Arbeitslosigkeit sowie die Bewältigung der Finanz- und Euro-Krise. |
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Erstveröffentlichung am 24.08.2005 |
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