Tobias Daniel   -   Online-Redakteur

Redaktion                     PR                     Webdesign

 Startseite

  Über mich

  Leistungen

  Texte

  Links

  Kontakt

  Impressum

EU-Iran: Die Krise weitet sich aus


In der Krise um das iranische Atomprogramm zeigt sich der neue Staatspräsident der Islamischen Republik weiterhin unnachgiebig. Der Iran werde sich nicht der "Tyrannei" des Auslands beugen - der von der EU vorgelegte Kompromissvorschlag sei "inakzeptabel". Zudem setzte der Iran ungeachtet internationaler Proteste Teile seiner umstrittenen Atomanlage in Isfahan wieder in Betrieb.

Atommodell
© Steffen Luik / PIXELIO
Der Iran fühlt sich im Atomstreit jedenfalls keiner Schuld bewusst - im Gegenteil. Man sieht sich ganz im Einklang mit den internationalen Verträgen. "Verstoß, was für ein Verstoß?", meinte unlängst der scheidende Vizeleiter der iranischen Atomenergie-Organisation, Mohammed Saaidi. So diene die Anlage in Isfahan nur dazu, das gasförmige Uranhexaflorid herzustellen, das für die eigentliche Urananreicherung benötigt wird. Dies werde dann in Isfahan gelagert, bis eine Einigung über die nächste Phase getroffen sei, betonte Saaidi. Die iranische Führung argumentiert, dass sie in Übereinstimmung mit dem Atomwaffen-Sperrvertrag das Recht auf ein ziviles Nuklearprogramm habe.

Stichwort: Urananreicherung im Iran

So sind bereits am vergangenen Montag in der Uran-Konversionsanlage Isfahans die Arbeiten in jenem Teil der Anlage wieder aufgenommen worden, der nicht von der UNO versiegelt worden war. Dort wird gereinigtes Uranerz - so genannter "Yellowcake" - zunächst in Uran-Tetrafluorid (UF4) umgewandelt. Im gesperrten Teil der Anlage will der Iran ebenfalls die Arbeit wieder aufnehmen, sobald UN-Inspekteure hier ihre Überwachungskameras installiert haben . Dort wird das Uran-Tetrafluorid in das Gas Uran-Hexafluorid (UF6) umgewandelt. Die Uran-Umwandlung gilt als Vorstufe zur Uran-Anreicherung.

Die eigentlichen Arbeiten zur Uran-Anreicherung will der Iran jedoch vorerst nicht sofort wieder aufnehmen. Allerdings verfügt das Land nahe der Stadt Natans eine unterirdische und teilweise fertiggestellte Anlage zur Uran-Anreicherung. Dort sind in einem Pilotprojekt bereits einige Dutzend Zentrifugen installiert. In diesen wird das UF6-Gas bei hoher Energie in Rotation versetzt - dabei werden die verschiedenen Teile des Urans voneinander getrennt. Das Uran wird somit angereichert und ist damit tauglich für die Wiederaufbereitung.

Je nachdem, wie die Anreicherung technisch ausgeführt wird, kann daraus Material gewonnen werden, das entweder atombombentauglich ist oder lediglich zur Stromerzeugung in Kernkraftwerken dienen kann. Nach offizieller Lesart will der Iran das Uran nur auf das letztere und damit niedrigere Niveau anreichern.

Isfahan - rund 350 Kilometer südlich der Hauptstadt Teheran - gilt als Zentrum des iranischen Atomprogramms. Das Kernforschungszentrum ist das größte seiner Art in der Islamischen Republik - bis zu 3.000 Wissenschaftler sollen hier arbeiten. Nach Angaben der US-Denkfabrik Global Security befinden sich zudem in Isfahan weitere wichtige Einrichtungen des iranischen Atomprogramms.

Iranische Atomanlagen
Die internationale Gemeinschaft befürchtet, dass der Iran mit Hilfe seines Kernenergieprogrammes auch Atomwaffen bauen will. Die wichtigsten iranischen Atomanlagen im Überblick:

Natans: Die unterirdische Fabrik südöstlich von Teheran produziert schwach angereichertes Uran, dass zur Stromgewinnung genutzt wird. In hoch angereicherter Form von 80 Prozent und mehr kann es aber auch für Atomwaffen genutzt werden.

Ghom: Lange Zeit hielt die iranische Staatsführung die Existenz der Anreicherungsanlage südlich von Teheran geheim. Die Fabrik liegt in einem Tunnelsystem auf einem früheren Militärgelände und bietet Platz für 3.000 Zentifugen zur Urananreicherung.

Buschehr: Nach der Islamischen Revolution von 1979 zog sich die deutsche Kraftwerk Union AG (KWU) aus dem Projekt zurück. Dank russischer Brennelemente-Lieferungen ging im September 2011 das erste Atomkraftwerk des Iran in Betrieb genommen.

Isfahan: Diese Anlage zur Produktion von Kernbrennstäben gilt als Zentrum der iranischen Kernforschung und liegt südlich von Teheran. Daneben wird hier aich Hexafluoridgas produziert, das zur Urananreicherung benötigt wird.

Arak: Die Existenz des bislang noch unfertigen Schwerwasserreaktors im Westen des Landes ist den USA seit dem Jahre 2002 bekannt. Hier fällt Plutonium an, dass für die Bombenproduktion verwendet werden könnte.

Karadasch: In dem Nuklearforschungszentrum nahe der iranischen Hauptstadt Teheran arbeitet seit den 1990er-Jahren ein Nuklearforschungszentrum. Dies soll angeblich vor allem medizinischen Zwecken dienen.

Teheran: Der kleine Leichtwasserreaktor in der Hauptstadt wurde noch vor der Revolution mit Hilfe der USA gebaut. Dieser soll Material für medizinische Zwecke produzieren, wozu aber auch angereichertes Uran benötigt wird.

Kooperationsprogramm der EU

Um den Atomstreit mit dem Iran beizulegen, hatte die EU der Islamischen Republik unlängst ein Kooperationsprogramm vorgelegt, dass die künftige Zusammenarbeit in den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft, Energiebeschaffung und auch Atomenergie regeln sollte. Darin enthalten war auch eine Zusage Europas, sich zusammen mit der iranischen Staatsführung für eine Stabilisierung der politischen und militärischen Lage im Mittleren und Nahen Osten sowie für eine atomare Abrüstung in der Region einzusetzen. Zudem würden Großbritannien und Frankreich Sicherheitsgarantien geben, um dem Iran die Furcht vor einem Atomangriff aus den USA oder aus Israel zu nehmen.

Im Gegenzug sollte der Iran jedoch seine Pläne zur Produktion eigener atomarer Brennstoffe und damit die Urananreicherung aufgeben. Außerdem sollte das Land den geplanten Bau eines Schwerwasserreaktors stoppen - in solchen Anlagen entsteht waffenfähiges Plutonium. Dafür wollte die EU langfristig die Versorgung des Iran mit nuklearen Brennstoffen für Leichtwasser- und Forschungsreaktoren garantieren, die mit niedrig angereichertem Uran arbeiten. Dabei unterstützte die EU auch die langfristige Zusammenarbeit mit Russland, das dem Iran schon das Atomkraftwerk Buschir geliefert hatte, um dessen Versorgung mit Brennkraftstäben zu garantieren.

Weiterhin unterstütze die EU auch weiterhin die geplante Aufnahme des Iran in die Welthandelsorganisation (WTO) und biete Hilfe bei der Anpassung der iranischen Wirtschaft sowie Handels- und Wissenschaftsabkommen mit der EU an. Zudem würden beide Seiten intensiv bei der Bekämpfung des Terrorismus und des internationalen Drogenhandels kooperieren.

Teheran lehnt ab

Die iranische Staatsführung lehnte den Kompromissvorschlag der EU jedoch ab. Er sei inakzeptabel und entspreche nicht einmal den Mindesterwartungen des Iran, erklärte der Sprecher des Außenministeriums, Hamid Resa Asefi. Inakzeptabel sei das Angebot vor allem deshalb, weil die EU vom Iran einen Verzicht auf die Umwandlung, Anreicherung und Wiederaufbereitung von Uran fordere. Dieses Ansinnen verstoße gegen "den Geist des Atomwaffen-Sperrvertrages", der die zivile Urananreicherung zulasse, sagte Asefi.

Auch der neue iranische Staatspräsident Mahmud Ahmadinedschad zeigte sich unnachgiebig. "Wir akzeptieren nichts, das gegen die Rechte unserer Nation verstößt", warnte der ultrakonservative Politiker. Der Iran respektiere zwar die internationalen Regeln, werde aber keine Politik verfolgen, die seinen Interessen entgegen stehe, so das neue Staatsoberhaupt.

Dass die Verhandlungen zwischen dem Iran und der EU jedenfalls nicht leichter werden, zeigt auch die Ernennung des neuen iranischen Chefunterhändlers Ali Laridschani. Der ultrakonservative Politiker nannte die Vorschläge der Europäer "lächerlich". Bei den Präsidentschaftswahlen kandidierte er ebenfalls für mehrere konservative Fraktionen. Wie der spätere Wahlsieger Ahmadinedschad konzentrierte sich Laridschani ebenfalls vor allem auf wirtschaftliche Aspekte mit der Begründung, dass "Hunger keine politischen Reformen" kenne.

EU und USA ziehen am gleichen Strang

Sowohl die USA als auch die EU scheinen trotz der schwelenden Krise ihre Lektion aus dem Irak-Krieg gelernt zu haben. In der Auseinandersetzung um das iranische Atomprogramm wollen beide ein neues transatlantisches Zerwürfnis vermeiden. "Wir unterstützen voll und ganz den EU-Verhandlungsprozess" betonte US-Außenstaatssekretär Nicholas Burns, der für die Koordination mit den Europäern in der Iran-Frage zuständig ist.

Beruhigend für die Europäer dürfte jedenfalls sein, dass die Rhetorik der US-Regierung himmelweit von der Scharfmacherei während des Irak-Krieges entfernt ist. Im Gegenzug demonstriert die EU wiederum eine neue Härte, die den USA gefallen dürfte. So drohte sie schriftlich mit dem Verhandlungsabbruch und "anderen Handlungsweisen" - selbst den Gang zum UN-Sicherheitsrat würde die EU nicht scheuen.

Dennoch könnten neue transatlantische Spannungen auftreten, wenn es darum geht, die Grenzen der Kompromissbereitschaft gegenüber dem Iran genauer zu definieren. Sollte der Iran zudem weiter auf seiner Urananreicherung beharren, steht dem Zusammenhalt der EU und der USA erst recht ein Härtetest hervor. So neige die EU dazu, den Druck nur "graduell" zu erhöhen, während die US-Administration direkt auf Wirtschaftssanktionen dringen könnte, so George Perkovich, Iran-Experte an der Canergie-Stiftung in Washington.

Dass es allerdings zu ähnlich dramatischen transatlantischen Zerwürfnissen wie während des Irak-Kriegs kommen könnte, ist bei allen potenziellen Konfliktpunkten jedoch wohl nicht zu erwarten. So sprechen die Anzeichen derzeit dafür, dass US-Präsident George W. Bush weit davon entfernt ist, militärische Aktionen gegen den Iran ins Auge zu fassen. Schließlich hätten die USA mit dem Irak weiterhin "mehr als alle Hände voll" zu tun, sagte dazu Ted Galen Carpenter vom Cato-Institut in Washington.

Kurzinfo: Atomprogramm des Iran
Das umstrittene Nuklearprogramm des Iran reicht in seinen Anfängen bis in die 1970er-Jahre zurück. Im Jahr 1974 begann die Siemens-Tochter Kraftwerk Union (KWU) mit dem Bau eines Kernkraftwerkes in der Hafenstadt Buschehr am Persischen Golf. Nach der Islamischen Revolution im Iran des Jahres 1979 kündigte Deutschland die Zusammenarbeit im Kraftwerksbau auf. Stattdessen kooperierte der Iran in den Folgejahren verstärkt mit Russland, China und Pakistan.

Der eigentliche Atomstreit dreht sich um die Frage, ob der Iran hemlich am Bau von Atomwaffen arbeitet. Vor allem die USA und Israel verdächtigen die Islamische Republik, heimlich Nuklearwaffen entwickeln und bauen zu wollen. Die iranische Führung hingegen beharrt auf ihr Recht, wie andere Staaten auch, ein ziviles Nuklearprogramm betreiben zu dürfen.

So wirft die internationale Gemeinschaft dem Iran vor, seit Jahren nicht ausreichend mit den Inspektoren der Internationale Atomenergie-Organisation zusammenzuarbeiten. So bekommen die Kontrolleure beispielsweise keine Informationen über mögliche Waffenprojekte, die der Iran in der Vergangenheit verfolgt hat und im Zusammenhang mit Atomwaffen stehen könnten. Zudem reichert das Land weiterhin Uran an, das in höher angereicherter Form auch für Nuklearwaffen genutzt werden kann.

Der Iran selbst hatte die Arbeiten zur Urananreicherung lange geheim gehalten. Vielmehr begründet er seine Nuklearbemühungen mit einem gestiegenen Energiebedarf der eigenen Bevölkerung. Um diesen Bedarf decken zu können, müsse Atomstrom erzeugt werden, da die vorhandenen Gas- und Ölreserven exportiert werden. Um zudem von ausländischen Energielieferungen unabhängig zu sein, sei ein geschlossener Brennstoffkreislauf notwendig, so die iranische Führung. Und ein Teil dieses Kreislaufes sei die Fähigkeit, Uran anzureichern.

Weitere Informationen:

 Erstveröffentlichung am 12.08.2005


nach oben - Druckversion - Haftungsausschluss - Sitemap


Nachrichten

Politik:
Spiegel-Online

Wirtschaft:
Manager-Magazin

Börse:
ARD-Börse

Kultur:
ARD-Kultur

Sport:
ARD-Sport

Wetter:
Vorhersage

Weitere Infos

EU-Iran

Atomstreit

Wahlen

Streit

Feedback

Wikipedia

Iran

© Tobias Daniel