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Europa und Indien - eine neue Partnerschaft?


In den neunziger Jahren hat die Asienpolitik der Europäischen Union deutlich an Profil gewonnen. So nehmen die Entwicklungen in Asien sowohl in den außenwirtschaftlichen als auch den außenpolitischen Beziehungen der EU einen hohen Stellenwert ein. Dabei haben nicht nur die Handelsströme zwischen der EU und Asien zugenommen.

EU-Außenbeziehungen
Darüber hinaus wurden die asiatisch-pazifische Region und auch einzelne asiatische Staaten zunehmend bedeutsamer für Fragen der internationalen Sicherheit. Dabei berücksichtigt die Asienpolitik der EU auch sehr stark das regionale Marktpotential und darüber hinaus auch spezifische Probleme wie zum Beispiel das rasche Bevölkerungswachstum oder das hohe Armutspotential. Indiens Erfahrungen mit Europa wurden zunächst durch die britische Kolonialherrschaft geprägt. Der lange Freiheitskampf des Subkontinents war jedoch nicht gleichbedeutend mit einer prinzipiell anti-europäischen Haltung. So wurden die Lehren der liberalen britischen Philosophen von der indischen Elite aufgenommen und sogar als Argument für den Unabhängigkeitskampf verwendet.

Nehru: die EG als "Club der Reichen"

Auf ökonomischem Gebiet konzentrierte sich Indien nach seiner Unabhängigkeit am 15. August 1947 zunächst darauf, sich über Jahrzehnte hinweg von der Weltwirtschaft abzuschotten. Für die indischen Nationalisten wurden Begriffe wie Protektionismus und Förderung der heimischen Industrie fast schon zu Glaubensartikeln. Diese Binnenorientierung bewirkte jedoch, dass Indiens Anteil am Welthandel nach seiner Unabhängigkeit immer mehr zurückging. Allerdings war Indien insofern vom Welthandel abhängig, als es Investitionsgüter importieren musste. Dafür brauchte die indische Regierung aber Devisen, die es wiederum durch Entwicklungshilfe erhielt.

Indien musste sich daher "begrenzt" für Entwicklungshilfe öffnen. Gegenüber der EG verhielt es sich allerdings zunächst distanziert. So betrachtete Jawaharlal Nehru - erster indischer Premierminister sowie Architekt der indischen Außen- und Wirtschaftspolitik - die EG nicht als Hoffnungsstrahl, sondern als "Club der Reichen", von dem er nicht viel erwartete. Trotzdem richtete Indien bereits 1962 eine Botschaft in Brüssel ein, die das Land bei der Gemeinschaft vertreten sollte. Der Nutzen dieser ständigen Vertretung blieb aber begrenzt, solange Indien auf seiner Selbstgenügsamkeit beharrte. Für die EG blieben politische und wirtschaftliche Beziehungen mit Indien eher von marginaler Bedeutung.

Europäisch-indische Handelsbeziehungen

Bis zum Beginn der siebziger Jahre blieb Großbritannien der wichtigste europäische Handelspartner Indiens. Nach dem EG-Beitritt der ehemaligen Kolonialmacht war Indien jedoch gezwungen, ein eigenes Handelsabkommen mit der Gemeinschaft abzuschließen. Hinzu kam, dass Indien durch die Ölkrise des Jahres 1973 seine Exporte forcieren musste, um seine immer teurer werdenden Ölimporte finanzieren musste. Infolgedessen stieg der Handel zwischen Indien und den EG-Staaten - insbesondere mit der BR Deutschland, Belgien, Großbritannien, Frankreich und den Niederlanden - deutlich an. Da die indischen Importe aus diesen Ländern jedoch stärker stiegen als dessen Exporte, nahm auch das Handelsdefizit Indiens zu. Allein 1988 betrug dieses Defizit rund 2,6 Milliarden US-Dollar.

Im Jahre 1991 geriet Indien jedoch in eine ernste Zahlungskrise, die es nur dank finanzieller Hilfen durch die Weltbank und den Internationalen Währungsfonds (IWF) meistern konnte. Die indische Regierung machte jedoch auch der Not eine Tugend und leitete einen energischen Liberalisierungskurs ein. So wurden unter anderem die indische Rupie abgewertet und einige Wirtschaftsbereiche dereguliert, die bislang unter bürokratischer Kontrolle standen.

Taj Mahal
Taj Mahal
© Sandeep Dhirad / GDFL
Indiens Zahlungskrise und dessen Wirtschaftsreform wirkten sich unmittelbar auf die Handelsbeziehungen mit der EG/EU aus. So importiert Indien seit den siebziger Jahren ausschließlich Investitionsgüter aus Europa, die es für den Ausbau seiner Industrie braucht. Die indischen Exporte in die EU sind jedoch weitaus differenzierter. Neben Rohprodukten wie Rohbaumwolle, Tee, Kaffee und Gewürzen exportiert Indien vor allem auch Industrieerzeugnisse wie Maschinen, Autozubehör, Computersoftware etc. nach Europa. Allerdings gestaltet sich gerade der beiderseitige Handel mit modernen Industrieerzeugnissen als relativ schwierig. Demnach sind die indischen Unternehmer meist auf Partnerschaften mit europäischen Firmen angewiesen, so zum Beispiel bei der Produktion von Autozubehör. Will sich ein indischer Unternehmer in diesen Markt einklinken, muss er sich um Partnerschaften mit großen europäischen bemühen, die ihn als Subunternehmer akzeptieren. Der harte Wettbewerb auf dem europäischen Markt legt zudem manchem Unternehmer nahe, eine Partnerschaft mit indischen Firmen einzugehen - garantieren doch die billigen indischen Löhne manchem europäischen Partner das eigene Überleben.

Aspekte einer politischen Partnerschaft zwischen Indien und Europa

Im Vergleich zu den europäisch-indischen Wirtschaftsbeziehungen ist die politische Partnerschaft zwischen Indien und der EU eher unterentwickelt. Durch die Gemeinsame Außenpolitik der EU-Staaten muss die indische Regierung nun zur Kenntnis nehmen, dass sich nicht mehr über Sonderbeziehungen zu einem einzelnen europäischen Land entsprechenden Einfluss auf andere europäische Staaten zu nehmen. Ferner hat sich bislang herauskristallisiert, dass die neue Asienpolitik der EU die weltpolitische Rolle Indiens eher unterschätzt. Da es aber im Interesse Indiens liegt, mehr Beachtung bei den Europäern zu finden, es somit gezwungen, eine entsprechende Europapolitik zu entwickeln. Die EU hingegen darf nicht vergessen, dass Indien im Rahmen ihrer neuen Asienpolitik ebensoviel Aufmerksamkeit verdient wie China oder Japan.

Weitere Informationen:

 Erstveröffentlichung am 03.09.2002


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