Der Internationale Karlspreis geht dieses Jahr an den italienischen Staatspräsidenten Carlo Azeglio Ciampi. Er habe seine politische Arbeit stets dem europäischen Integrationsfortschritt gewidmet, teilte das Direktorium mit. Der 84-jährige Politiker stehe zudem für die alten Werte und Maßstäbe, die Europa ausmachten, sagte der Aachener Bürgermeister Jürgen Linden.
Ciampi sei ein "großer Staatsmann und ruheloser Mentor Europas", der für ein "demokratisches Italien" und das "Europa der Werte" stehe, begründete das Direktorium seine Entscheidung. Der italienische Staatspräsident gelte zudem als einer der Architekten der Europäischen Zentralbank sowie des Stabilitäts- und Wachstumspaktes. Er sei stets davon überzeugt gewesen, "dass sich Europa nicht auf die Währungsunion beschränken darf". Zudem stehe Ciampi als Mittler zwischen den Welten für den Dialog der Zivilisationen - insbesondere auch für eine Zusammenarbeit mit der arabischen Welt. Außerdem sei er ein Verfechter einer europäischen Identität mit politischen, kulturellen und geographischen Grenzen und stehe daher gegen Beliebigkeit.
Politiker mit hohem Ansehen
Ciampi wurde am 9. Dezember 1920 im toskanischen Livorno als Sohn einer Optikerfamilie geboren. Von Jesuiten erzogen, studierte er in Pisa Altphilologie und deutsche Literatur - mit einer Vorliebe für Goethe. Im Jahre 1941 wurde er von den Faschisten als Fahrer in die Armee eingezogen - später schloss sich Ciampi jedoch dem antifaschistischen Widerstand an. Später studierte er Jura und absolvierte mit einer Arbeit über Kirchenrecht.
Im Jahre 1946 trat er in die Banca D'Italia ein und brachte es über verschiedene Zwischenstationen schließlich 1979 zum Chef der Notenbank. 1993 übernahm Ciampi das Amt des Ministerpräsidenten, dass er jedoch nur etwa ein Jahr inne hatte. Seinen Ruf als strenger Finanzpolitiker begründet sich jedoch vor allem auf seine Tätigkeit als Haushaltsminister ab 1996 unter dem damaligen Regierungschef Romano Prodi. Ciampi steuerte während dieser Zeit einen rigiden Sparkurs und ebnete Italien damit den Weg in die Europäische Währungsunion.
Welch hohes Ansehen er in der italienischen Politik genießt, zeigt seine Wahl zum Staatspräsidenten im Mai 1999: bereits im ersten Wahlgang erhielt er die erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit, nachdem sich alle großen Parteien auf seine Person verständigt hatten. Erst kürzlich bot er Ministerpräsident Silvio Berlusconi die Stirn, als er sich weigerte, eine von der Mitte-Rechts-Koalition beschlossene Justizreform zu unterzeichnen.
Architekt des Stabilitätspaktes und der EZB
Ciampi gilt als einer der Architekten der Europäischen Zentralbank und des europäischen Stabilitätspaktes. Aber auch in Aachen ist der italienische Politiker kein Unbekannter. Bereits bei der Verleihung des Karlspreises 2002 an den Euro hatte er die Laudatio auf die gemeinsame europäische Währung gehalten. Dabei appellierte er an alle Beteiligten, den Fortschrittsgedanken nicht aus den Augen zu verlieren. "Es liegt in der Logik des Aufbauprozesses des vereinten Europas, dass jeder Fortschritt weitere erfordert - entweder man schreitet voran oder gefährdet das Erreichte", mahnte Ciampi.
Nach Angaben der Stadtverwaltung Aachen zeigte sich das italienische Staatsoberhaupt hoch erfreut über die Auszeichnung. Damit erfülle er sich einen Jugendtraum, hieß es. Ciampi ist bereits der vierte Italiener, der mit dem Karlspreis ausgezeichnet wird. Der Preis wird am 5. Mai verliehen.
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Kurzinfo: Internationaler Karlpreis |
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Seit 1950 wird der "Internationale Karlspreis zu Aachen" alljährlich am Himmelfahrtstag für die beste Leistung im Dienst der Verständigung und der internationalen Zusammenarbeit in Europa verliehen. Der Preis besteht aus einer Urkunde und einer Medaille, die an einem Band in den Aachener Stadtfarben schwarz-gelb getragen wird. Zudem ist er mit 5.000 Euro dotiert. Nach dem Willen der Stifter kann der Preis nur in Aachen überreicht werden. Der erstmals an den Papst verliehene außerordentliche Karlspreis soll eine Ausnahme bleiben.
Benannt ist die Auszeichnung nach Kaiser Karl dem Großen (768-814), der vielen als Vorbild der europäischen Einigung und Begründer der kulturellen Blüte des "alten" Europa gilt. Zu den bisherigen Preisträgern gehören unter anderem Konrad Adenauer, Winston Churchill, Robert Schuman, König Juan Carlos I. von Spanien und Bill Clinton. 1986 wurde mit dem luxemburgischen Volk ein eher ungewöhnlicher Preisträger auserkoren, ebenso 2002 mit dem Euro.
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Weitere Informationen:
Erstveröffentlichung am 17.02.2005 |
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