Er war Premierminister Großbritanniens während des Zweitens Weltkrieges und Vordenker der Vereinigten Staaten von Europa. Doch auch als Schriftsteller und Historiker machte sich Sir Winston Churchill international einen Namen. Mit seiner Vision der "Vereinigten Staaten von Europa" schuf er zudem einen Grundgedanken für die Integration Europas.
Churchill entstammte der Adelsfamilie der Herzöge von Marlborough. Von entscheidender Bedeutung für sein Leben war nicht nur das Verhältnis zu seinem Vater, dem konservativen britischen Politiker Randolph Churchill. Auch die Erziehung im Internat Harrow und in der Kadettenakademie Sandhurst waren einschneidende Erlebnisse in Churchills Jugend. So genoss er den Ruf eines hoffnungslosen Schulversagers, aber auch eines feurigen Husarenleutnants.
Dessen Kriegserlebnisse an der Nordwestgrenze Indiens, im Sudan und als Kriegsberichterstatter im Burenkrieg machten Churchill in Großbritannien bekannt. Seine abenteuerliche Flucht aus einem burischen Kriegsgefangenenlager im südafrikanischen Pretoria machten ihn auf einen Schlag zum Draufgänger und Kriegshelden.
Politische Karriere
Im Triumphzug zog Churchill im Jahr 1900 ins Unterhaus ein. Sein Übertritt von den Konservativen zu den Liberalen brachte ihm zwar die Feindschaft der konservativen Adelsklasse ein. Doch damit begann auch seine steile Karriere als Politiker. Nachdem er 1908 zum Handels- und 1910 zum Innenminister ernannt wurde, übernahm er schließlich von 1911 bis 1915 das Amt des Marineministers. Mit bereits 37 Jahren stand Churchill damit an der Spitze der größten Flotte der damaligen Welt, die er nach seinen Plänen modernisierte. Bereits lange vor dem Ersten Weltkrieg war er von der Unausweichlichkeit eines Krieges mit Deutschlands überzeugt.
Nach einem kurzen Zwischenspiel als Frontoffizier in Frankreich wurde Churchill 1917 erneut Mitglied des Kabinetts - zunächst als Rüstungs-, später als Kriegs- und Kolonialminister. 1924 kehrte er jedoch wieder zu den Konservativen zurück und saß für diese als mächtiger Schatzkanzler auf der Regierungsbank. Weil er jedoch ein rigoroses Vorgehen gegen die Unabhängigkeitsbewegung Gandhis in Indien forderte, überwarf sich Churchill erneut mit seiner Partei.
Kriegspremier Großbritanniens
Zehn Jahre lang blieb er zur Tatenlosigkeit verdammt, während er von den alten Feinden verfemt zum Einzelgänger geworden war. Dennoch wurde Churchill zu einem unbeugsamen Kritiker der britischen Appeasement-Politik gegenüber Hitler in den dreißiger Jahren. Als dieser jedoch 1939 den Kriegsfunken in Europa entzündete, wurde der Politiker Churchill rehabilitiert und als Marineminister ins Kabinett zurückgeholt. Am 10. Mai 1940 übernahm er schließlich das Amt des britischen Premierministers - sein Ziel: ein Sieg um jeden Preis. Sein unerbittlicher Kampfeswille und seine Siegeszuversicht machten Churchill zwar bei den Briten sehr beliebt. Allerdings wurde ihm von seinen Kritikern - oftmals zurecht - vorgeworfen, dass er über die Kriegsführung die Probleme der Nachkriegsregelung vernachlässigte.
Im Juli 1945 - in der Stunde des militärischen Triumphs über das nationalsozialistische Deutschland - wurde seine Regierung jedoch abgewählt. Viele Briten misstrauten dem Kriegspremier, die sozialen Probleme nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges zu lösen. Als konservativer Oppositionspolitiker lieferte Churchill jedoch wesentliche Denkanstöße zur Gründung des nordatlantischen Verteidigungsbündnisses und des Europagedankens. Seine Vision der "Vereinigten Staaten von Europa" - skizziert in seiner Züricher Rede am 19. September 1946 - sollte ein erster Schritt zur Gründung des Europarates sein. Unter diesem Begriff verstand Churchill eine Union aller beitrittswilligen Staaten Europas unter der Führung Frankreichs und Deutschlands. Diese Union sollte jedoch keineswegs die bestehende Staatenordnung des Kontinents ablösen. Vielmehr stellte er sich darunter ein Gebilde vor, in dem alle europäischen Völker in den Genuss von Menschenrechten und Demokratie kommen sollten.
Inzwischen 76-jährig übernahm Churchill 1951 noch einmal für vier Jahre das Amt des Premierministers. Aus dem Krieger war mittlerweile jedoch ein Staatsmann geworden, der klar für eine Versöhnung zwischen Siegern und Besiegten eintrat. 1956 erhielt Churchill daher für seine Verdienste um den Europagedanken auch den Karlspreis der Stadt Aachen. Am 24. Januar 1965 starb Churchill in London.
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Kurzinfo: Britischer Premierminister |
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Der britische Premierminister ist der ranghöchste Minister im Vereinigten Königreich. Er besitzt die Richtlinienkompetenz innerhalb der Regierung, ernennt die Mitglieder seines Kabinetts und koordiniert die Arbeit der Regierung. Der Premierminister wird vom britischen Monarchen ernannt, der gemäß Übereinkunft den Mehrheitsführer im britischen Unterhaus auswählt. Zudem kann der Premierminister zwar auch vom Monarchen entlassen werden: In der Praxis geschieht dies aber nur im Falle eines Rücktritts aus persönlichen Gründen, nach einer Wahlniederlage oder bei mangelnder Unterstützung im Parlament. Der führende Politiker der jeweiligen Oppositionspartei ("Führer der loyalen Opposition Ihrer Majestät") gilt in Debatten als direkter Kontrahent des Premierministers und potenzieller Nachfolger. Das Amt des Premierministers entspringt dem Amt Ersten Lord des Schatzamtes; erstmals bekleidet wurde es von Sir Robert Walpole (1721-1742). Amtssitz des britischen Premierministers ist 10 Downing Street.
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Weitere Informationen:
Erstveröffentlichung am 24.03.2004 |
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