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Historische Bundestagswahlen (I)


Die Bundestagswahlen am 18. September sind seit 1949 bereits der 16. Urnengang, um die Zusammensetzung des Deutschen Bundestages zu bestimmen. Wir geben einen Überblick über die bisherigen Wahlen.

Wahlzettel
© Edith Ochs / PIXELIO
Den alliierten Besatzungsmächten sei wohl ähnlich zumute gewesen wie einem Vater, der seinen 18-jährigen Sohn zum ersten Mal mit Taschengeld und Hausschlüssel ausgehen lasse, schrieb die Londoner "Times" vor den ersten Bundestagswahlen am 14. August 1949. Doch die Sorgen des Auslands schienen letztlich unbegründet: 78,5 Prozent der damals 31 Millionen Wahlberechtigten gaben ihre Stimme ab und erteilten linken wie rechten Parteien eine Absage. Stattdessen ebneten sie dem CDU-Politiker Konrad Adenauer den Weg ins Bundeskanzleramt.

So hatte die Union im Vorfeld mit den Slogans "Freiheit - Gerechtigkeit - Frieden" und "Millionen Christen wählen CDU" um die Wählergunst geworben. Die SPD mit ihrem Spitzenkandidaten Kurt Schumacher hingegen stand für "Frieden, Freiheit, Sozialismus" und plakatierte: "Alle Millionäre wählen CDU-FDP. Alle übrigen Millionen Deutsche die SPD." Tatsächlich entschieden sich 31 Prozent der Wähler für die CDU/CSU - 29,2 Prozent für die Sozialdemokraten. Gemeinsam mit der FDP und der Deutschen Partei (DP) bildeten CDU und CSU die erste Regierungskoalition der Bundesrepublik.

Unionskandidat Konrad Adenauer war eine der großen Leitfiguren und ging als erster Bundeskanzler in die Geschichte der Bundesrepublik eingeht. In seine Amtszeit fielen zahlreiche außenpolitische Entscheidungen, darunter der NATO-Beitritt Deutschlands, die europäische Integration oder der deutsch-französische Freundschaftsvertrag. Adenauer wurde am 5. Januar 1876 als Sohn einer streng katholischen Beamtenfamilie in Köln geboren. Als Mitglied der katholischen Zentrumspartei gehörte er als Kölner Oberbürgermeister zu den einflussreichsten Persönlichkeiten der Weimarer Republik. Am 19. April 1967 starb Adenauer im Alter von 91 Jahren in seinem Heimatort Rhöndorf.

Der Kanzlerkandidat der SPD, Kurt Schumacher, war in den ersten Jahren der Bundesrepublik der große Gegenspieler Adenauers. Geboren am 13. Oktober 1895 im westpreußischen Culm saß Schumacher bereits von 1930 bis 1933 für die SPD im Reichstag. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde Schumacher über zehn Jahre lang in Konzentrationslagern festgehalten. Nach 1945 betrieb Schumacher den Neuaufbau der SPD und wurde 1946 zum ersten Bundesvorsitzenden sowie 1949 auch zum Fraktionsvorsitzenden der SPD gewählt. Allerdings wurde oft auch der autoritäre Führungsstil Schumachers kritisiert. Auch wenn er letztlich seine politischen Ziele nicht verwirklichen konnte, gilt Schumacher als einer der Gründungsväter der Bundesrepublik. Schumacher starb am 20. August 1952 in Bonn.

1953: Kanzler-Triumph

Bei den zweiten Bundestagswahlen am 6. September 1953 stellte sich der amtierende Bundeskanzler Adenauer erstmals zur Wiederwahl - Sorgen musste er sich jedoch nicht über den Ausgang machen. So wurde der Wahlkampf vom gescheiterten Volksaufstand in der DDR überschattet - viele Wähler im Westen glaubten nicht mehr an die Versprechen der SED und der Sowjetunion zur Wiedervereinigung. Mit der zunehmenden Angst vor der kommunistischen Bedrohung wuchs daher die Zustimmung zu Adenauers Politik der Westbindung. Zudem ging es seit 1952 auch wirtschaftlich aufwärts.

Tatsächlich erhielten die Unionsparteien 45,2 Prozent der Stimmen und schrammten damit nur knapp an einer absoluten Mehrheit vorbei. Die SPD erreichte mit 28,8 Prozent ihr bis heute schlechtestes Ergebnis bei Bundestagswahlen. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung kommentierte nach der Wahl: "Das ist Konrad Adenauers Sieg". Und Spiegel-Herausgeber Rudolf Augstein schrieb: "Die CDU ist Staatspartei geworden. Noch ein solcher Sieg und die deutsche Demokratie ist verloren".

Der Kanzlerkandidat der SPD - deren Vorsitzender Erich Ollenhauer - war gegen Adenauer nahezu chancenlos. Ollenhauer wurde am 27. Januar 1901 in Magdeburg geboren und war zum Zeitpunkt der Wahlen bereits 30 Jahre in der Arbeiterbewegung tätig. Gemeinsam mit Schumacher hatte er die SPD nach dem Krieg wieder aufgebaut - nach dem Tod Schumachers 1952 übernahm er auch den Bundes- und Fraktionsvorsitz der SPD. Allerdings galt Ollenhauer beleibe nicht so charismatisch wie sein Kontrahent Schumacher. Am 14. Dezember 1963 starb er in Bonn.

1957: Absolute CDU-Mehrheit

Mit dem Slogan "Sicherheit - Keine Experiment" gelang Bundeskanzler Adenauer bei den Bundestagwahlen am 15. September 1957 nicht nur die erneute Wiederwahl. Mit 50,2 Prozent der Stimmen und fast 55 Prozent der Mandate erhielten die Unionsparteien nicht nur die absolute Mehrheit - sie erlebten den bis heute größten Wahlsieg überhaupt. Im Vorfeld der Wahlen hatten sich die Bonner Parteien einen harten Schlagabtausch geliefert. Zentraler Streitpunkt der Auseinandersetzungen war die Außenpolitik, mit der Adenauer die noch junge Bundesrepublik politisch und militärisch fest in den Westen integriert hatte. Besonders der Widerstand der Opposition gegen eine mögliche atomare Bewaffnung der Bundeswehr stieß beim Wahlvolk auf große Resonanz - schließlich fürchteten sich viele vor einem Atomkrieg der beiden Supermächte. Ein Novum bei den dritten Bundestagswahlen waren zudem die erstmalige Teilnahme des Saarlandes sowie die Möglichkeit der Briefwahl.

1961: Beginn vom Abschied Adenauers

Die Bundestagswahlen vom 17. September 1961 standen ganz unter dem Eindruck des Mauerbaus vom 13. August 1961. Bundeskanzler Adenauer, der zum vierten Mal für die CDU/CSU kandidierte, wurde angelastet, zu zögerlich reagiert und damit zu lange gewartet zu haben. So verloren die Unionsparteien mit 45,3 Prozent die absolute Mehrheit und mussten wieder in einer Koalition mit der FDP regieren. Dennoch blieb Adenauer nur noch ein "Kanzler auf Abruf" - im Oktober 1963 übergab der "Alte" die Regierungsgeschäfte an seinen erfolgreichen Wirtschaftsminister Ludwig Erhard.

Die SPD setzte erstmals auf den Berliner Regierenden Bürgermeister Willy Brandt als Kanzlerkandidaten. Dieser wurde am 18. Dezember 1913 in Lübeck als Herbert Ernst Karl Frahm geboren. Mit 16 Jahren trat er der SPD bei - nach der Machtübernahme der Nazis 1933 emigrierte er nach Norwegen. Nach dem zweiten Weltkrieg führte Brandt eine steile Parteikarriere 1957 in den Sessel des Regierenden Bürgermeisters von West-Berlin. Als Kanzlerkandidat der SPD konnte er bei den Bundestagswahlen 1961 das bis dahin beste Wahlergebnis seiner Partei erzielen. Im Jahre 1964 übernahm Brandt den SPD-Bundesvorsitz.

1965: Erhard gewinnt und scheitert

Mit Bundeskanzler Ludwig Erhard setzte die CDU/CSU bei den Bundestagwahlen am 19. September 1965 auf den "Vater des Wirtschaftswunders". Als Bundeswirtschaftsminister prägte Erhard als Mitbegründer der "sozialen Marktwirtschaft" maßgeblich den wirtschaftlichen Aufschwung der noch jungen Bundesrepublik. Geboren am 4. Februar 1897 in Fürth zählte Erhard eher zu den liberalen, bis er - zunächst parteilos - erst 1963 der CDU beitrat, deren Bundesvorsitz er 1966 übernahm. Die SPD setzte erneut auf Willy Brand als Kanzlerkandidaten.

Programmatisch gab es im Bundestagswahlkampf jedoch kaum nennenswerte Auseinandersetzungen: über die Verfassungs- und Gesellschaftsstruktur wurde kaum gestritten und auch beim Thema Sicherheit gab es fast nur Übereinstimmungen. Ohnehin hatten die Wähler 1965 andere Sorgen - das Wirtschaftswunder war vorbei und es begann eine Zeit der heraufziehenden wirtschaftlichen und innenpolitischen Krisen.

So konnte die Regierungskoalition aus CDU/CSU und FDP erneut die Mehrheit für sich gewinnen. Allerdings blieb die Kanzlerschaft Erhards letztlich glücklos: 1966 zerbrach die Regierungskoalition an Wirtschaftsfragen - Erhard tritt zurück. Erst im dritten Wahlgang einigt sich die Unionsfraktion auf Kurt Georg Kiesinger als Nachfolger, der mit Willy Brandt als Vizekanzler und Außenminister für die nächsten drei Jahre eine Große Koalition aus CDU/CSU und SPD bildet. Heute gilt Kiesinger vielmehr als der "vergessene Kanzler" in der Geschichte der Bundesrepublik. Mit nur drei Jahren Regierungszeit steht der Kanzler der Großen Koalition klar im Schatten der Kanzler, die Epochen geprägt haben.

1969: SPD an der Macht

Mit dem Wahlsieg der SPD bei den Bundestagswahlen am 6. September 1969 stellte die Union erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik nicht mehr den Bundeskanzler. Die Monate vor den Wahlen war vor allem durch Studentenunruhen, Aktionen der Außerparlamentarischen Opposition (APO), das Erstarken der rechtsextremen NPD sowie durch internationale Spannungen wie den Vietnamkrieg geprägt. Auch das Verhältnis zwischen den beiden deutschen Staaten war eher frostig.

Zwar ging die CDU mit 46,1 Prozent erneut als stärkste Kraft aus den Wahlen hervor. Die SPD konnte hingegen in der Zeit der Großen Koalition ihre Regierungsfähigkeit beweisen und erhielt 42,7 Prozent der Stimmen. Gemeinsam mit der FDP - die auf 5,8 Prozent kam - legte Brandt schließlich die Grundlage für die sozialliberale Koalition. Herausragendes Merkmal der neuen Regierung wurde die auf Entspannung ausgerichtete Ostpolitik, für die Bundeskanzler Brandt 1971 den Friedensnobelpreis erhielt.

1972: Erste vorgezogene Neuwahlen

Die Bundestagswahlen am 6. September 1972 waren die ersten vorgezogenen Neuwahlen in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Vorausgegangen waren zunächst das gescheiterte konstruktive Misstrauensvotum gegen Bundeskanzler Brandt sowie der negative Ausgang der Vertrauensfrage. Während die SPD mit Brandt erneut ins Rennen ging, setzte die Union auf Rainer Barzel.

Geboren am 20. Juni 1924 im ostpreußischen Braunsberg studierte er nach 1945 Rechtswissenschaften und Volkswirtschaftslehre. Von 1957 an saß Barzel bis 1987 für die CDU im Deutschen Bundestag - von 1971 bis 1973 hatte er auch deren Bundesvorsitz inne.

Bei den Bundestagswahlen 1972 blieb Barzel jedoch erfolglos. Mit 45,8 Prozent der Stimmen die SPD erstmals die stärkste Fraktion im Deutschen Bundestag - Bundeskanzler Brandt konnte an der Spitze der sozialliberalen Koalition weiterregieren. Aufgrund der Spionage-Affäre um seinen persönlichen Referenten Günther Guillaume trat er jedoch - für die Öffentlichkeit überraschend - von seinem Amt zurück. Nachfolger wurde frühere Hamburger Innensenator und Bundesminister Helmut Schmidt.

1976: "Freiheit statt Sozialismus"

Mit diesem Slogan sagte die Opposition unter ihrem Kanzlerkandidaten Helmut Kohl der sozialliberalen Bundesregierung den Kampf an. Geboren am 3. April 1930 trat der Rheinland-Pfälzer bereits 1946 als Schüler der CDU bei. 1966 zum Landesvorsitzenden der rheinland-pfälzischen CDU gewählt, übernahm er am 19. Mai 1969 auch das Amt des Ministerpräsidenten von Peter Altmaier. 1973 übernahm Kohl auch den Bundesvorsitz der CDU des zurückgetretenen Rainer Barzel.

Die SPD setzte hingegen auf Amtsinhaber Schmidt, der angesichts von Konjunkturflaute, Ölkrise und hoher Arbeitslosigkeit das Macher-Image eines Wirtschaftsexperten inne hatte. Gegenüber dem "Modell Deutschland" der Union warb Schmidt vor allem mit "sozialer Sicherheit" um das Vertrauen der Wähler.

Darüber hinaus standen die Wahlen von 1976 ganz unter dem Eindruck des Links-Terrorismus sowie der Renten-, Steuer- und Finanzpolitik. So hatten sich durch die Rezession große Löcher in den öffentlichen Kassen aufgetan - die Finanzierung des Sozialstaates wurde zunehmend schwieriger. Die Union wollte die Wahl daher zu einer Richtungsentscheidung machen. So gewann die CDU/CSU zwar 48,7 Prozent der Stimmen und wurde damit wieder stärkste Fraktion im Deutschen Bundestag. Dennoch konnte sich die sozialliberale Koalition knapp behaupten.

Mehr zu den darauffolgenden Bundestagswahlen im zweiten Teil.

Weitere Informationen:

 Erstveröffentlichung am 24.08.2005


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