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Vom Adventskranz zum Neujahrskuchen (II)


Während Weihnachten den Beginn des katholischen Kirchenjahres markiert, bedeutet Neujahr den Beginn des Kalenderjahres. Neujahr war und ist auch heute noch eher ein weltliches als ein kirchliches Fest. In Rom fanden aus diesem Anlass ausschweifende Feierlichkeiten mit Trink- und Essgelagen statt. Diese Neujahrsbräuche blieben auch erhalten, als das Christentum im Jahre 395 zur Staatsreligion erklärt wurde.

Silvester
© "delater" / PIXELIO
Die heutigen Bräuche zum Jahreswechsel basieren noch immer auf antiken römischen und germanischen Riten. Der Jahresbeginn zum 1. Januar hat seinen Ursprung im römischen Kalender. Im Jahre 46 v. Chr. führte der damalige römische Diktatur und Feldherr Gajus Julius Cäsar einen neuen Kalender ein, der ein Sonnenjahr von 365 Tagen mit siebentägigen Wochen und einem Schaltjahr alle vier Jahre vorsah. Der Julianische Kalender ist auch heute noch gültig, wurde aber 1582 durch Papst Gregor VIII. (1572-1585) reformiert. Im Mittelalter wurde der Jahresbeginn zunächst an Weihnachten, später am Dreikönigstag am 6. Januar gefeiert. Erst Papst Innozenz XII. (1691-1700) legte den 1. Januar wieder als Neujahrstag fest.

Silvester - Name und Bedeutung

Der Name Silvester ist lateinischen Ursprungs und bedeutet wie "Waldbewohner" oder "der zum Wald Gehörende". Darüber hinaus ist Silvester auch der Name eines bedeutenden Papstes, der die Kirche im 4. Jahrhundert maßgeblich prägte - nämlich Papst Silvester I. (314-335). Seine Amtszeit übte er während der Regierungszeit Kaiser Konstantins I. des Großen (306-337) aus. Durch das Toleranzedikt Konstantins von 313, das die Christenverfolgungen endgültig beendete, war es Silvester möglich, die römische Kirche neu zu organisieren und weiter zu verbreiten. Unter seiner Federführung wurde zudem auf dem Konzil von Nikäa 325 das Dogma über die Göttlichkeit Christi und dessen Wesensgleichheit mit Gottvater verkündet. Am 31. Dezember 335 starb Silvester I. in Rom und wurde später heilig gesprochen. Die Kirche begeht seit 354 den 31. Dezember als Festtag Silvesters.

Die Bedeutung Silvesters geht auf eine Legende zurück: so soll er durch Handauflegen den an Ausatz erkrankten Kaiser Konstantin I. den Großen (306-324) geheilt haben. Zum Dank ließ sich der Kaiser von Silvester taufen und erkannte den Papst als geistliches Oberhaupt neben sich an. Diese Legende der Konstantinischen Schenkung bildete die Grundlage für den späteren Kirchenstaat und diente den Päpsten im Mittelalter zur Durchstzung ihrer weltlichen Machtansprüche. Heute wird Silvester von den katholischen Christen als Schutzheiliger für Haustiere sowie für ein gutes und neues Jahr verehrt.

Silvesterbräuche in Deutschland

  • Silvesterfeuerwerk: Schrecken verbreiten, Krach schlagen und Lärm verbreiten ist das älteste Brauchtum in Deutschland. In alten Zeiten diente er dazu, böse Geister zu vertreiben. Die Germanen benutzten dazu Peitschen, Rasseln und Dreschflegel. Im Mittelalter waren es Kirchengeläut, Pauken und Trompeten. Seit der Renaissance kam das Schießen mit Böllern und Gewehren auf. Besonders König Ludwig XIV. von Frankreich - auch als Sonnenkönig bekannt - war für seine gigantischen Feuerwerke bekannt.
  • Orakelbräuche: Der Jahresausklang dient bekanntlich auch dazu, in die Zukunft zu schauen. Im Laufe der Geschichte haben sich daher zu Silvester verschiedene Orakelbräuche herausgebildet. Bekanntester Brauch ist das Bleigießen. Geschmolzenes Blei wird in kaltes Wasser gegossen, wo es schnell verhärtet. Die sich daraus bildenden Figuren werden als Orakel angesehen, aus denen sich Ereignisse im neuen Jahr ablesen lassen. Allerdings ist Bleigießen naturgemäß auch nicht ungefährlich.
  • Glücksbringer: Zu den bekanntesten Glücksbringern zählen der Schornsteinfeger oder das vierblättrige Kleeblatt. So reinigt der Schornsteinfeger bereits seit Jahrhunderten die Kamine und bannt somit die Gefahr eines Brandes. Allein dafür gilt er noch heute als Glücksbringer. Das vierblättrige Kleeblatt gilt als Weltensymbol, das die vier Himmelsrichtungen und die vier Elemente miteinander vereint. Als Glücksklee soll es vor allem Vorteile beim Spiel bringen und Schicksalsschläge vermeiden. Schon sprichwörtlich ist das Glücksschwein als Glückssymbol. In einigen alten Kulturen - wie in Ägypten oder Syrien - galt das Schwein als heilig und wurde den Göttern geopfert. Die Kelten verbanden mit dem Schwein das Jenseits. Seit jeher gilt das Schwein zudem in Europa als wichtiger Fleisch- und Fettlieferant. In früheren Zeiten - wo üppiges Essen eher unüblich war- war der Besitz eines Schweines gleichbedeutend mit guter Versorgung. Vor diesem Hintergrund entstand wohl auch die Redewendung "Schwein haben" im Sinne von "Glück haben".
Darüber hinaus sollte man am Neujahrstag nicht zu spät aufstehen, weil einen sonst das ganze Jahr über schlechter Schlaf und schlechte Träume plagen - so ein Aberglaube.

Kulinarische Silvester- und Neujahrsbräuche

Silversterfeuerwerk
© Maria Reinfeld / PIXELIO
Auch kulinarisch haben sich an Silvester und Neujahr bestimmte Bräuche gefestigt. Im Erzgebirge bewahrte man früher Salz und Brot über Nacht in einem Tischtuch auf, damit Hungerzeiten im neuen Jahr ausbleiben sollten. Allerdings ist dieser Brauch mittlerweile verlorengegangen. Zu den traditionellen Silvesterspeisen - wie beispielsweise Silvesterkarpfen - gehören in deutschen Wohnstuben mittlerweile auch Fondues zu Silvester wie das Feuerwerk. Zu besonderen Spezialitäten gehören an Neujahr vor allem verschiedene Backwaren. So kennt man nicht nur in Deutschland die Tradition, Neujahrsbrote oder Neujahrskuchen zu backen, die - wie so vieles an diesen Tagen - als Glücksbringer gelten. Dazu gehören aber zum Beispiel auch sogenannte Neujährchen (Hörnchen aus dünnen Waffeln), Neujahrsringe oder Neujahrskränze (Hefekränze mit Rosinen), Neujahrsbrezel, Neujahrsmännlein, Hefezöpfe sowie Glückstorten und Glückskuchen mit eingebackenen Geldmünzen Früchtekuchen und Lebkuchen.

Darüber hinaus gibt es aber noch eine ganze Reihe regionaler und örtlich gewachsener Silvester- und Neujahrsbräuche, die noch immer mehr oder weniger zum Jahreswechsel gepflegt werden.

Kurzinfo: Neujahr in verschiedenen Kulturen
Das neue Jahr beginnt in verschiedenen Kulturen nicht einheitlich am 1. Januar. So existieren in den einzelnen Weltreligionen jeweils eigene Zeitrechnungen: Für den christlichen Jahreswechsel bestätigte Papst Innozenz XII. (1691-1700) den 1. Januar als Neujahrstag. In anderen Religionen und Kulturen wird das Neujahrsfest hingegen an anderen Tagen begangen.

Die Juden feiern Neujahr an "Rosch Haschana" ("Kopf des Jahres") am 1. und 2. Tag des jüdischen Kalendermonats Tischri. Mit dem Neujahrsfest leitet die "Zehn erfurchtsvollen Tage" ein, die mit dem Versöhnungsfest Jom Kippur - dem höchsten jüdischen Feiertag - enden.

In der islamischen Welt beginnt das neue Jahr immer nach dem Monat, in dem die "Hadsch" (Pilgerfahrt) stattfindet. Während der Neujahrsfeiern erinnern die Muslime an die Wanderung des Propheten Mohammed von Mekka nach Medina im Jahre 622. Sie markiert somit den Beginn der islamischen Zeitrechnung, die nach Mondmonaten gerechnet wird.

Einige Völker Vorder- und Mittelasiens beginnen das neue Jahr mit dem Frühlingsanfang am 21. März. Dabei unterscheiden sich die Bräuche zum Neujahrsfest "Newroz" (kurdisch: neuer Tag) von Region zu Region. So erinnert im Iran traditionell Feuer an den Sieg über die Dunkelheit. Die Kurden nutzen das Fest zu Demonstrationen für ihre politische und kulturelle Unabhängigkeit. Die UNESCO hat am 30. September 2009 den "Newroz-Tag" in die Welterbe-Liste aufgenommen.

In China gilt das chinesische Neujahrsfest als wichtigster Feiertag und leitet nach dem chinesischen Kalender das neue Jahr ein. Nach dem Mondkalender fällt das Neujahrsdatum jeweils auf einen anderen Tag im Jahr. Die Chinesen beginnen das neue Jahr traditionell mit dem größten Familienfest des Jahres: dabei wird am Neujahrsabend reichlich gegessen und getrunken sowie das populäre Brettspiel Majiang gespielt - und natürlich heftig geböllert.

Einen Überblick über die deutschen Weihnachtsbräuche finden Sie im ersten Teil.

Weitere Informationen:

 Erstveröffentlichung am 20.12.2002


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