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Vom Adventskranz zum Neujahrskuchen (I)


Alle Jahre wieder ist es soweit - das Jahr neigt sich dem Ende zu und der Winter hat sich mal wieder breitgemacht. Weihnachten und der Jahreswechsel stehen vor der Tür. Für die viele Menschen also Anlass genug, sich einen Adventskranz auf den Tisch zu stellen, die Krippe unter den Weihnachtsbaum zu stellen oder den Champus für den Jahreswechsel schon mal kalt zu stellen. Grund genug aber auch, liebgewordene Traditionen und Bräuche einmal nach ihrer Herkunft zu hinterfragen.

Weihnachten
© "JouJou" / PIXELIO
Nach Ostern ist Weihnachten mittlerweile das zweitwichtigste Fest im Kirchenjahr. Traditionell fällt der erste Weihnachtstag auf den 25. Dezember, an dem die Geburt Jesu in Bethlehem gefeiert wird, sie in den Evangelien des Lukas und des Markus beschrieben wird. In der Frühzeit des Christentums war das Weihnachtsfest jedoch noch unbekannt. Wenn die ersten Christen vom "Anfang" der "Frohen Botschaft von Jesus Christus" sprachen, dann meinten sie den Beginn seines öffentlichen Wirkens. Erst später interessierte sich die Kirche zunehmend auch für die Geburt, Kindheit und Jugend Jesu.

Geschichte des Weihnachtsfestes

Aus historischen Quellen geht hervor, dass Papst Liberius erstmals am 25. Dezember 336 in Rom das Weihnachtsfest feierte. In den folgenden Jahrzehnten setzte es sich auch im übrigen Mittelmeerraum durch. Auf dem Zweiten Konzil von Konstantinopel im Jahre 381 erhob Kaiser Theodosius I. schließlich das Weihnachtsfest zum Glaubensgrundsatz.

Im 7. und 8. Jahrhundert setzte sich der Brauch, das Weihnachtsfest am 25. Dezember zu feiern, auch in Deutschland durch. Die Mainzer Synode von 813 erklärte diesen Tag offiziell zum "festum nativitas Christi" - zum Fest der Geburt Christi. Mit ihm begann damals das Kalenderjahr. Erst 800 Jahre später - mit der Einführung des Gregorianischen Kalenders - wurde der Jahresbeginn auf den 1. Januar gelegt. Durch die Verbreitung des christlichen Glaubens hat das Weihnachtsfest schließlich in aller Welt seine Verbreitung gefunden.

Das Datum - Wahrheit oder Fälschung?

Krippe
© Dieter Schütz / PIXELIO
Der genaue Geburtstag Jesu ist unbekannt. Sicher ist nur, dass Christus nicht im Jahre 0 geboren wurde, sondern eher zwischen 12 und 4 vor unserer Zeitrechnung. Der 25. Dezember war vielmehr in vielen Kulturen als Tag der Sonnenwende besonders wichtig. Im vorderasiatischen Mithraskult wurde an diesem Tag die Geburt des indischen Lichtgottes gefeiert. Bei den alten Ägyptern wurde mit dem Isiskult die Geburt des Gottes Horus auf diesen Tag gelegt. Etwa zur gleichen Zeit begingen die Römer das Fest der "Saturnalien" zu Ehren des Gottes Saturn. Anlass dafür war das Ende der Feldarbeit - man zündete Kerzen und Fackeln an, aß und trank und beschenkte sich gegenseitig mit Tonfiguren. Im norddeutschen und skandinavischen Raum kennt zudem noch das sogenannte "Mittwinter"- oder "Julfest", dass ebenfalls Ende Dezember gefeiert wurde sowie als Toten- und Fruchtbarkeitsfest bekannt war.

Adventsbräuche

Der christliche Weihnachtskreis beginnt mit der vierwöchigen Adventszeit und endet in den katholischen Gebieten am 6. Januar mit dem Dreikönigstag. Der Advent leitet sich vom lateinischen Begriff "adventus" (dt.: "Ankunft") ab. An den vier Adventssonntagen wird daher traditionell die Ankunft Christi in der Welt gefeiert. Jeder Sonntag hat zudem seine eigene Bedeutung: Mit dem 1. Advent beginnt das Kirchenjahr - zudem steht er für den Einzug Jesu in Jerusalem. Der 2. Advent ist der Wiederkunft Cristi gewidmet; der 3. Advent steht erinnert an Johannes den Täufer und der 4. Advent an Maria. Dabei sind einige Bräuche verbreitet, die teils auf germanische Glaubensvorstellungen zurückzuführen sind.

  • Adventskranz: Der Ursprung des Kranzes liegt bereits in der Antike, wo er als Zeichen des Sieges galt. Der eigentliche Adventskranz ist jedoch erst seit etwa hundert Jahren bekannt. Als Erfinder gilt der evangelische Theologe Johann Wichern (1808-1881), der in Hamburg die Innere Mission begründete. In seinen Tagebüchern ist belegt, dass bereits während der 1840er-Jahre in seiner Mission zur Adventsandacht kranzförmig aufgestellte bunte Wachskerzen aufgestellt wurden. Nach dem Ersten Weltkrieg hat schließlich unter anderem die Jugendbewegung dazu beigetragen, dass sich der Adventskranz in seiner heutigen Form in ganz Deutschland verbreitete. 1925 hing erstmals ein Adventskranz mit vier Kerzen in einer katholischen Kirche in Köln - mittlerweile hat sich dieser Brauch über die ganze Welt verbreitet.
  • Adventskerzen: Das Kerzenlicht der vier Adventskerzen gelten als symbolisches Zeichen für Christus als Licht der Welt. Jede der vier Kerzen steht bekanntlich für einen der vier Adventssonntage.
  • Barbarazweige: Dieser Brauch geht auf die heilige Barbara zurück, deren Gedenktag am 4. Dezember gefeiert wird. An diesem Tag wird traditionell ein Apfel-, Kirsch-, Kastanien-, Pflaumen-, Holunder-, Rotdorn- oder Forsythienzweig geschnitten, der dann ins geheizte Zimmer gestellt wird. Beginnt der Zweig an Weihnachten zu blühen, gilt dies als gutes Zeichen für die Zukunft. Der Legende nach lebte die heilige Barbara im 4. Jahrhundert im kleinasiatischen Nikomedia - dem heutigen Izmit in der Türkei. Barbara galt als schöne und intelligente Frau. Um sie jedoch vor einer frühen Heirat zu bewahren, sperrte sie ihr Vater oftmals in einen Turm, wo sie zum Christentum fand. Ihr Vater versuchte jedoch erfolglos mit allen Mitteln von ihrem Glauben abzubringen. Schließlich übergab er Barbara dem Richter, der sie schließlich hinrichten ließ. Während ihrer Gefangenschaft benetzte sie einen verdorrten Kirschzweig mit Wasser aus ihrem Trinknapf. Wenige Tage vor ihrer Hinrichtung soll der Zweig aufgeblüht sein. Heute zählt die heilige Barbara zu den 14 Nothelfern - rund 200 Kirchen in Deutschland sind ihr geweiht.
  • Nikolaus: Das wohl bekannteste Heiligenfest in der Adventstag wird am 6. Dezember begangen - dem Namenstag des heiligen Nikolaus. Dieser lebte im 4. Jahrhundert als Bischof von Myra in Kleinasien. Heute gilt der heilige Nikolaus als Schutzpatron der Bäcker, Kaufleute, Schiffer und Schulkinder. In der Kunst wird er häufig als Bischof mit Mitra und Krummstab, aber auch mit Broten, Äpfeln und anderen Geschenken dargestellt. An diese Form der Verehrung knüpft der Brauch, besonders Kinder am 6. Dezember zu beschenken.
  • Sankt-Luzia-Feier: Die heilige Luzia lebte vor rund 1.600 Jahren in Syrakus auf Sizilien. Der Legende nach wurde auch sie wegen ihres Glaubens verfolgt und sollte von Ochsen zu Tode geschleift werden. Da sich die Tiere jedoch nicht von der Stelle bewegen konnten, wurde Luzia schließlich erdolcht. Die Legende weiß auch zu berichten, dass sie ihren Glaubensgenossen Lebensmittel in ihre Verstecke brachte. Um in der Dunkelheit den Weg zu finden, soll sie sich einen Lichterkranz auf das Haupt gesetzt haben. Alljährlich am 13. Dezember wird das Fest der Heiligen Luzia begangen. Gemeinsam mit ihren Gefährtinnen - gekrönt mit einer Lichterkrone und bekleidet mit einem weißen Gewand - zieht sie dann in die dunkle Kirche ein. Dort verkündet sie die nahe Ankunft Christi, der das Licht der Welt symbolisiert. Besonders in Schweden ist das Luzien-Fest sehr verbreitet. Doch auch einige deutsche Pfarrgemeinden feiern die Heilige mit einem besonderen Gottesdienst.
Weihnachtsbräuche

Das heutige Weihnachtsfest ist erst seit dem 19. Jahrhundert bekannt. Der Begriff Weihnachten stammt von "Ze den wihen nahten" - auf Hochdeutsch: "zu den Heiligen Nächten".

  • Weihnachts- oder Christbaum: Beliebtestes Symbol der Weihnachtszeit ist der Christbaum. Zwar ist dieser Brauch noch keine 400 Jahre alt. Allerdings war es schon immer üblich, die dunkle Jahreszeit mit grünen Pflanzen als Hoffnung auf neues Leben und Kerzen als Hoffnung auf neues Licht zu schmücken. Bereits 1494 war es üblich, grüne Tannenzweige ins Haus zu stellen. 1611 soll schließlich der erste kerzengeschmückte Tannenbaum im Schloss der Herzogin Dorothea Sibylle von Schlesien gestanden haben. Im 18. Jahrhundert wurde es schließlich in ganz Deutschland üblich, das Weihnachtsfest mit einem kerzengeschmückten Christbaum zu feiern.
  • Bescherung: Der Brauch, sich an Weihnachten beschenken zu lassen, lässt sich auf mehrere Gründe zurückführen. Zum einen gelten Geschenke als Symbol für die Gaben der drei Weisen aus dem Morgenland. Zum anderen war es beim vorchristlichen Wintersonnenfest üblich, den Göttern zu opfern, um damit das Haus vor bösen Geistern zu schützen und für die Fruchtbarkeit der Felder zu sorgen. In Deutschland wurde es schließlich während der Reformation üblich, Kinder am Weihnachtsfest zu beschenken.
  • Weihnachtskrippe: Die figürliche Darstellung der Geburt Jesu leitet sich aus einem ursprünglich geistigen Schauspiel aus dem Mittelalter ab, dass jedoch bald in Vergessenheit geriet. Erst Franz von Assisi soll bei der Weihnachtsmesse des Jahres 1223 wieder einen Stall mit Holzfiguren aufbauen lassen. Besonders in Bayern, Tirol und Italien ist die Krippe (althochdeutsch: "krippa") ein Kennzeichen vor allem des katholischen Weihnachtsfestes.

Kurzinfo: Heilige Drei Könige
Der 6. Januar ist traditionell der Tag der Heiligen Drei Könige. Einer der bekanntesten Bräuche ist das Sternsingen, der bis ins Mittelalter zurückreicht. Als Könige verkleidet zieht man durch die Straßen und spielt den Zug zur Krippe nach. Dabei wird auch immer ein Stern mitgeführt, der beim Singen gedreht werden muss. Dieser symbolisiert das Sonnenrad, das in den zwölf heiligen Nächten zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag stehen geblieben war. In Deutschland richtet zudem das Kindermissionswerk seit 1959 an diesem Tag die "Aktion Dreikönigssingen" aus. Zudem ist der 6. Januar in den Bundesländern Baden-Württemberg, Bayern und Sachsen-Anhalt ein gesetzlicher Feiertag.

Den Abschluss des christlichen Weihnachtskreises bildet schließlich der 6. Januar. Seit dem 4. Jahrhundert wird dieser Tag als "Erscheinungsfest des Herrn" (griechisch: "Epiphanias") gefeiert. In der katholischen und in den protestantischen Kirchen erinnert der sogenannte "Dreikönigstag" an die biblischen Weisen aus dem Morgenland. Der Volksglaube machte daraus schließlich die Heiligen Drei Könige. Im 16. Jahrhundert setzte sich zunächst in den Niederlanden und Belgien, dann auch in Deutschland der Brauch der Sternsinger durch. Verkleidete Kinder ziehen als Dreikönige verkleidet von Haus zu Haus. Zum Dank für Spenden schreiben sie mit Kreide das Zeichen "C+M+B" (lateinisch: "Christus mansionem benedicat: Christus segne das Haus") über den Türrahmen. In den orthodoxen Kirchen sowie in der koptischen Kirche hingegen wird erst am 6./7. Januar das Weihnachtsfest gefeiert - in der armenischen Kirche sogar erst am 18./19. Januar.

Kurzinfo: Zwischen den Jahren
Mit der Redewendung "Zwischen den Jahren" bezeichnet den wird der Zeitraum zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag am 6. Januar bezeichnet. Dieser Zeitraum gilt als Phase der Besinnung und des Ausblicks auf das künftige Leben. Zunächst feierten die Christenam 6. Januar die Taufe Christi. Für diesen Zeitraum war der Aberglaube besonders verbreitet: So waren alle Arbeiten verboten, um kein Unheil heraufzubeschwören und keine bösen Geister ins Haus zu holen. Demnach sollten das Waschen oder Aufhängen von Wäsche, Nähen und Spinnen ebenso zu vermeiden die den Stall auszumisten oder den Staub zusammenzufegen und vor die Tür zu werfen. Angeblich gehen auch alle Träume in diesen Nächten im neuen Jahr in Erfüllung.

Einen Überblick über die deutschen Silvesterbräuche finden Sie im zweiten Teil.

Weitere Informationen:

 Erstveröffentlichung am 20.12.2002


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