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Hauptbahnhof in Mainz ist spitze, Wiesbaden schwächelt

Der Mainzer Hauptbahnhof ist der kundenfreundlichste in der Rhein-Main-Region. Dies ergab der Bahnhofstest 2010 der "Frankfurter Rundschau". Auf den folgenden Plätzen landeten der Frankfurter Hauptbahnhof, der Fernbahnhof am Flughafen und der Bahnhof in Fulda.

Hauptbahnhof Mainz
Hauptbahnhof Mainz
© "Falense" / GDFL

Der Mainzer Oberbürgermeister Jens Beutel zeigte sich stolz über das Ergebnis. "Unser Hauptbahnhof ist mit der Sanierung im Jahr 2003 ein wahres Schmuckstück geworden", so der SPD-Politiker gegenüber der Zeitung. Es erfülle ihn mit Stolz, dass dieses "attraktive und freundliche Eingangstor zur Landeshauptstadt" den Spitzenplatz eingenommen habe. "Wir alle wissen, wie vorteilhaft eine solch glänzende Visitenkarte für eine Stadt ist", sagte Beutel.

In den vergangenen fünf Wochen hatten die FR-Tester 36 Bahnhöfe im Rhein-Main-Gebiet unter die Lupe genommen. In insgesamt sieben Kategorien wurden Punkte verteilt - von der Erreichbarkeit des Bahnhofs über die Parkplatzsituation vor Ort, die Freundlichkeit des Personals und den Zustand der Sitzgelegenheiten bis hin zu Wartezeiten am Schalter sowie Sauberkeit und Sicherheit des Geländes. In fünf von sieben Kategorien erhielt der Mainzer Hauptbahnhof Bestnoten. Lediglich mit der Sauberkeit und Barrierefreiheit waren die FR-Tester nur bedingt zufrieden.

Mainz: Musterstück mit Schönheitsfehlern

Seit seiner Sanierung 2003 nutzen bis zu 47.500 Gäste täglich den Hauptbahnhof in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt. Besonders beliebt sind in Mainz die Einkaufsmöglichkeiten sowie die Helligkeit und Sauberkeit. "Früher war der Bahnhof schmuddelig, heute ist alles schön hell, freundlich und sauber", meinte auch die Mainzerin Bärbel Hellwig gegenüber den FR-Testern. Auch das Reisezentrum der Bahn, die Parkmöglichkeiten am und rund um den Hauptbahnhof sowie die Erreichbarkeit erhielten Bestnoten.

Kritisiert wurden hingegen die Eingangstüren des Mainzer Hauptbahnhofs. Da diese nicht automatisch öffnen, sind Mütter mit Kinderwagen oder Behinderte auf fremde Hilfe angewiesen. Zudem fehle eine Anzeigetafel, die im Gebäude über aktuelle Anschlussmöglichkeiten und Abfahrtszeiten im Nahverkehr informiere. Insgesamt haben sich die 60 Millionen Euro Sanierungskosten jedoch gelohnt - immerhin wird der Mainzer Hauptbahnhof als moderner Großstadtbahnhof gewertet mit nahezu allem erdenklichen Service.

Wiesbaden: "Provinzbahnhof mit neobarocker Fassade"

Hauptbahnhof Wiesbaden
Hauptbahnhof Wiesbaden
© "Wo st 01" / GDFL

Weniger gut schnitt hingegen der Hauptbahnhof in der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden ab. So wirke der Bahnhof trotz seiner Läden und Imbisse eher kalt und unpersönlich. Auch die mangelnden Sitzmöglichkeiten wurden als Minuspunkt gewertet - was vermutlich aber der Tatsache geschuldet ist, dass der Bahnhof hauptsächlich von Pendlern und nur von wenigen Umsteigern genutzt wird.

Größter Kritikpunkt ist jedoch die Tatsache, dass der Wiesbadener Hauptbahnhof Zug um Zug von der Außenwelt abgehängt wird. Fernverkehrszüge wie die die ICEs verkehren kaum noch und die S-Bahnen benötigen eine deutlich längere Fahrzeit zum Frankfurter Hauptbahnhof oder zum Flughafen.

Immerhin: der Wiesbadener Hauptbahnhof gilt als architektonisches Prunkstück, der vor einigen Jahren mit rund 25 Millionen Euro auf Vordermann gebracht wurde. Es gibt keinerlei Barrieren und Touristen erhalten an der Filiale der Touristen-Informationen umfangreiche Informationen über die Landeshauptstadt. Auch für Berufspendler ist der Hauptbahnhof gut erreichbar und die Parkmöglichkeiten wurden ebenfalls weitgehend positiv bewertet.

Dennoch wird auch hier Kritik laut: innen wirke die Bahnhofshalle dennoch "duster und schmuddelig", findet ein Pendler aus Kelkheim. So verstehe er nicht, dass die Landeshauptstadt mit ihren Stilaltbauten und verschnörkelten Villenfassaden immer "auf schnieke und edel macht", gleichzeitig aber ein undichtes Bahnhofsdach dulde, wo es reinregne. Immerhin will die Deutsche Bahn im kommenden Jahr etwa 35 Millionen Euro investieren, um dann auch die Bahnhofshalle auf Vordermann zu bringen.

Rüsselsheim: Helligkeit und Transparenz

Bahnhof Rüsselsheim
Bahnhof Rüsselsheim
© "Brühl"
Eleganz, Leichtigkeit und Transparenz sind nach den FR-Bahnhofstestern die Markenzeichen des Rüsselsheimer Bahnhofs. Dunkle und schmuddelige Ecken sucht man demnach vergebens; Gleise, Banhsteige und Fahrkartenautomaten seien übersichtlich angeordnet. Zudem seien Café und die Buchhandlung, den Durchgang zu den Gleisen, das Haupthaus, einen Schutz für einen Teil der Fahrradständer und die Bushaltestellen unter einem Dach vereint. Auch die Erreichbarkeit des Bahnhofs wird positiv bewertet.

Kritisch bewertet wurde hingegen die Barrierefreiheit: so können Rollstuhlfahrer mit dem bestehenden Aufzug nur die Unterführung mit der dortigen behindertengerechten Toilette nutzen. Der Fahrsteig in Richtung Frankfurt könne zudem gar nicht erreicht werden. Ebenfalls kritisiert wurde zudem der fehlende Wartesaal.

Manch Bahnhof hat sich verschlechtert

Schlusslichter des Bahnhoftstests 2010 waren erneut die Bahnhöfe in Nidderau, Wächtersbach und Höchst. Bereits vor fünf Jahren wurden die Bahnhöfe getestet, von denen sich einige seit damals nochmals verschlechtert haben. Fehlende Toiletten, Barrieren, geschlossene Schalter oder keine Fahrgastinformationen sind die größten Ärgernisse für die Tester. Die Deutsche Bahn wurde mit diesen Testergebnissen konfrontiert und stellte Besserung in Aussicht.

Weitere Informationen:

 Erstveröffentlichung am 24.04.2010


© Tobias Daniel - alle Rechte vorbehalten


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