Albanien stand im Laufe der Jahrhunderte immer wieder unter Fremdherrschaft. Bereits der römische Historiker Livius beschrieb das Land der "Skipetaren" ("Söhne der Adler"), das als Tor zur Adria eine wichtige Rolle in der Geschichte spielte. Mit Rumänien und Griechenland gehört Albanien außerdem zu den nichtslawischen Staaten Südosteuropas. Albanien erlangte erst 1913 seine endgültige Unabhängigkeit von den Osmanen. Während des Zweiten Weltkrieges besetzte Italien das Land, ab 1943 dann Deutschland.
Politik des Isolationismus
Nach der Befreiung 1944 wandelte KP-Chef Enver Hoxha das Land in eine kommunistische Volksrepublik um. Nach dem Bruch der KP-Führung mit der Sowjetunion 1961 führte Hoxha sein Land in die völlige Isolation. 1967 erklärte Hoxha Albanien zum einzigen atheistischen Land der Welt, in dem Religionsausübung und Verschuldung gegenüber dem Ausland unter Strafe stand. Die Isolation des Landes behinderte jedoch die Wirtschaftsentwicklung und machte aus Albanien bald das "Armenhaus Europas".
Systemwechsel und Orientierung nach Westen
Erst der Systemwechsel 1990 führte zu einer politischen und wirtschaftlichen Öffnung. Da das kommunistische System jedoch ungeordnet zusammenbrach, waren Plünderungen, Massenkriminalität und Fluchtwellen ins Ausland über Jahre an der Tagesordnung. Besonders Italien und Griechenland sind die wichtigsten Aufnahmeländer albanischer - häufig illegaler - Migranten.
Seit 1991 bekennen sich alle politischen Lager zum Bruch mit dem extremen Isolationismus der kommunistischen Ära und zur möglichst baldigen Integration Albaniens in die westlichen und europäischen Strukturen. Seit Mitte der neunziger Jahre konzentriert sich das Land vorrangig auf Europa. So ist Albanien seit 1994 im Rahmen der "Partnerschaft für den Frieden" mit der NATO verbunden; 1995 wurde es in den Europarat aufgenommen.
Mittelfristig keine EU-Beitrittsperspektive
Im Gegensatz zu den rückständigsten Staaten des ehemaligen Ostblocks - Bulgarien und Rumänien - hat Albanien derzeit noch nicht einmal eine mittelfristige Beitrittsperspektive in die NATO oder gar in die Europäische Union. Die politische Instabilität des Landes mit seinen schwachen Polizeistrukturen machen Albanien zu einem idealen Operationsgebiet von organisierter grenzüberschreitender Kriminalität. Ein wichtiger Zweig dieser Kriminalität ist die Einschleusung vieler albanischer junger Frauen nach Italien, wo sie dann zur Prostitution gezwungen werden. Auch die Frage der albanischen Minderheiten in den Nachbarstaaten Griechenland und Mazedonien sowie der zukünftige Status des Kosovo belasteten immer wieder die außenpolitischen Beziehungen Albaniens. Die Schaffung eines "ethnischen Großalbanien" - also die Vereinigung des Kosovos, Westmazedoniens, Südmontenegros und einiger Grenzgebiete Griechenlands - ist derzeit jedoch weder innerhalb der maßgebenden politischen Kreise noch bei der Bevölkerung Albaniens ein Thema.
Doch immerhin hat Albanien als erstes europäisches Land mit der EU ein Abkommen zur Rücknahme illegaler Einwanderer unterzeichnet, dass bereits Anfang Dezember 2003 in Kraft treten soll. Demnach will das Balkanland sowohl Albaner als auch Bürger aus Drittstaaten zurücknehmen, wenn diese über Albanien illegal in die EU eingereist sind. Ähnliche Abkommen hat die EU bislang nur mit Sri Lanka sowie mit den ehemaligen Kolonien Hongkong und Macao abgeschlossen - eines mit Marokko ist geplant.
Mitte Februar 2006 hatte die EU-Kommission zudem ein Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen mit Albanien auf den Weg gebracht. Dies gilt als erster Schritt zu einem möglichen EU-Beitritt. Kommissionspräsident José Manuel Barroso nannte die Unterzeichnung des Vertragsentwurfs als "Meilenstein auf dem Weg zu einer EU-Mitgliedschaft Albaniens". Gleichzeitig mahnte er jedoch auch Reformen in dem verarmten Balkanstaat an. Die albanische Regierung müsse energisch gegen Korruption und organisiertes Verbrechen vorgehen, das Justizwesen reformieren und mehr ausländische Investoren anlocken.
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Erstveröffentlichung am 24.11.2003 |
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