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EU-Enklaven: Åland


Die Åland-Inseln sind eine Gruppe von mehr als 6.500 Inseln und Schären in der nördlichen Ostsee. Politisch gehören sie zu Finnland, sind aber innenpolitisch autonom. Hauptstadt ist Mariehamn mit 10.500 Einwohnern.

Die Inseln haben eine Gesamtfläche von 6.784 km², wovon 1.527 km² Landfläche sind. Åland liegt etwa 40 Kilometer von Schweden und ca. 15 Kilometer von Finnland entfernt. Insgesamt leben derzeit etwa 26.530 Menschen auf der Inselgruppe. Neben der Hauptstadt gibt es insgesamt 16 Kommunen, zehn Landskommunen und sechs Schärenkommunen. Neben der einzigen Stadt Mariehamn gibt es auf Åland noch 15 Gemeinden. Mit 129 Einwohnern ist Sottunga die kleinste Gemeinde Finnlands und der EU.

Die Einwohner bezeichnen sich selbst nicht als Finnen, sondern als Ålander. Sie sprechen überwiegend ålandisches Schwedisch - ein schwedischer Dialekt. Auch der Schulunterricht findet auf Schwedisch statt - Finnisch ist dabei nur ein Wahlfach. Wer also als (Festlands-)Finne nach Åland ziehen will, muss gute Schwedisch-Kenntnisse vorweisen. Im Allgemeinen sind die Beziehungen zu Schweden enger als zu Finnland. So besteht zum Beispiel die Möglichkeit in Finnland an schwedischen Universitäten zu studieren - etwa 70 Prozent der ålandischen Studenten studieren jedoch in Schweden.

Flagge Ålands
Flagge Ålands
© Mark A. Wilson
Die Åland-Inseln gehörten bis 1809 zu Schweden, als Finnland und die Inselgruppe an Russland abgetreten werden mussten. Nach dem Zusammenbruch des Zarenreiches im Jahre 1917 sprach sich eine überwältigende Mehrheit von 98 Prozent für eine Rückkehr zu Schweden aus. Mit der Unabhängigkeit Finnlands fielen die Åland-Inseln jedoch an den schwedischen Nachbarn - gegen den Willen der Inselbevölkerung. Im Juni 1921 sprach der Völkerbund schließlich Finnland die Souveränität über Åland zu. Allerdings musste es die schwedische Sprache, die Kultur, die örtlichen Gebräuche und das Selbstverwaltungssystem der Inselgruppe akzeptieren, wodurch die Åland-Inseln faktisch zu einem eigenen Staat innerhalb der Finnischen Republik wurden. Zudem wurde im Jahr 1921 eine internationale Konvention geschlossen, wonach Åland demilitarisiert wurde und neutral sein muss. Seitdem gibt es auf den Inseln kein Militär - auch die jungen Männer auf Åland sind vom allgemeinen Wehrdienst befreit.

Auf Åland gibt es ein System des sogenannten "Heimatrechts", das eine Art Staatsbürgerschaft darstellt. Dieses berechtigt zur Teilnahme und zur Kandidatur bei den Parlamentswahlen, zum Besitz von Grund und Boden sowie zum Betreiben eines Gewerbes. Dieses Recht erhält man durch die Geburt auf Åland oder durch einen Elternteil, der dieses "Heimatrecht" besitzt. Zugezogene können finnische Staatsbürger werden, wenn sie über genügend Schwedisch-Kenntnisse verfügen und mindestens fünf Jahre auf den Inseln leben. Wer jedoch länger als fünf Jahre nicht auf Åland gemeldet war, verliert automatisch dieses Recht.

Politik auf Åland

Die Åland-Inseln besitzen ein eigenes Parlament ("Løgting") und eine eigene Landesregierung. Das "Løgting" besteht aus 30 Abgeordneten, die für vier Jahre gewählt werden. Zwei Abgeordnete werden zudem in das finnische Parlament entsandt. Praktisch verwalten sich die Åland-Inseln selbst. Das Parlament trat erstmals am 9. Juni 1922 zusammen - daher gilt dieser Tag auch als Nationalfeiertag.

Die Landesregierung ("Landskapsregeringen") besteht aus höchstens acht Mitgliedern unter dem Vorsitz des Regierungspräsidenten ("Landråt"). Sie wird gemäß den parlamentarischen Grundsätzen von den im "Løgting" vertretenen politischen Parteien und Gruppen bestimmt. Ziel der Verhandlungen ist es, eine möglichst große Mehrheit für die Landesregierung zu finden. Allerdings sind auch Minderheitsregierungen erlaubt.

Zu den wichtigsten Bereichen gehören dabei Bildung und Kultur, das Gesundheitswesen, Umwelt, Wirtschaft, das Verkehrswesen innerhalb Ålands, das Polizeiwesen, die Postverwaltung sowie Radio und Fernsehen. Nur die Außen- und Sicherheitspolitik übernimmt Finnland. Wenn die finnische Regierung jedoch internationale Verträge eingeht, die auch Åland betreffen, muss dessen Zustimmung eingeholt werden, wie zum Beispiel beim EU-Beitritt 1995. Zudem erhebt der finnische Staat Steuern und Zölle auf Åland - im Gegenzug muss den Inseln jedoch eine gewisse Summe aus dem Staatshaushalt zur Verfügung gestellt werden.

Wie stehen die Åland-Inseln zur EU?

Åland ist wie Finnland seit dem 1. Januar 1995 Vollmitglied der Europäischen Union. Dem Beitritt ging jedoch eine Volksabstimmung voraus, bei der sich 74 Prozent für eine EU-Mitgliedschaft aussprachen. In einem speziellen Protokoll wurden jedoch die Selbstverwaltung und die Erwerbsmöglichkeiten abgesichert. So sind die Bestimmungen des "Heimatrechtes" auch in der EU rechtsgültig. Außerdem stehen die Åland-Inseln außerhalb der Steuerunion, so dass auch die EU-Direktiven zur indirekten Besteuerung dort nicht umgesetzt werden. Die Åland-Inseln haben einen eigenen Vertreter im Rat der Regionen sowie einen Sonderbeauftragten in der EU-Vertretung Finnlands in Brüssel.

Wichtigster Kopf:

Regierungspräsidentin Ålands: Viveka Eriksson (seit 2007)

Die letzten Parlamentswahlen ...

... fanden am 16. Oktober 2011 statt. Derzeit sind sechs Parteien und Gruppierungen im "Løgting" vertreten. Die Wahlbeteiligung lag bei 66,6 Prozent.

Åland-Infos
Hauptstadt: Mariehamn (11.197 Einw.)
Einwohner: 28.065
Fläche: 1.553 km²
Nationalfeiertag: 9. Juni
Regionale Gliederung: 16 Gemeinden
Währung: 1 Euro (€) = 100 Cent

Weitere Informationen:

 Erstveröffentlichung am 03.05.2005


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