zurück - Drucken


Adenauer - Vater der Westintegration

"Fallen ist weder gefährlich noch eine Schande. Aber Liegenbleiben ist beides." Nach dieser zeitlebens beherzigten Devise begann der Aufstieg eines Politikers in einem Alter, in dem Karrieren in der Regel enden. Eines ist jedenfalls unumstritten: mit keinem anderen Mann ist die deutsche Nachkriegszeit so eng verknüpft wie mit Konrad Adenauer.

Konrad Adenauer
Konrad Adenauer im Jahr 1952
© Katherine Young / cc-by-sa

Während seiner Amtszeit trug der erste Bundeskanzler Deutschlands entscheidend dazu bei, dass die Bundesrepublik ihre Souveränität wiedererlangte und sich mit Frankreich aussöhnte. Gleichzeitig trug er - gemeinsam mit Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard - maßgeblich zum Aufbau der sozialen Marktwirtschaft in Deutschland bei. Zugleich sorgte Adenauer dafür, dass die Bundesrepublik dauerhaft im westlichen Wirtschafts- und Verteidigungsbündnis verankert wurde. Im Blockdenken der Zeit verhaftet stellte der Kanzler jedoch auch ungewollt die Weichen für die jahrzehntelange Teilung Deutschlands. Im Gegenzug jedoch setzte Adenauer alles daran, den Aufbau Europas unablässig voranzutreiben. Damit sollte sich nicht nur die neugegründete Bundesrepublik politisch wie wirtschaftlich beruhigen und gesunden. Die wirtschaftliche Verflechtung sollte auch das Sicherheitsbedürfnis der europäischen Staaten befriedigen.

Beginn der politische Karriere in Köln

Adenauer wurde am 5. Januar 1876 als Sohn eines Beamten in Köln geboren. Gemeinsam mit drei Geschwistern wuchs er eher bescheidenen Verhältnissen auf. Als Schüler des humanistischen Apostelgymnasiums genoss Adenauer den Ruf, "guter unauffälliger Durchschnitt" zu sein. Auch sein Jurastudium absolvierte er ohne besonderen Glanz, bis er schließlich die Politik als Betätigungsfeld seiner Ambitionen entdeckte. Dass ihn dabei seine Herkunft und Erziehung als rheinische Katholik zum Zentrum - der Partei des politischen Katholizismus - führte, ist beinahe schon selbstverständlich.

Seine politische Laufbahn begann Adenauer mit der Heirat von Emma Weyer, der Tochter einer angesehenen und wohlhabenden Kölner Familie. Über diese kam er schließlich in Verbindung mit dem gesellschaftlich und politisch tonangebenden rheinischen Bürgertum. 1906 wurde Adenauer Erster Beigeordneter der Stadt Köln und damit Stellvertreter des Oberbürgermeisters. 1917 wurde er selbst einstimmig in dieses Amt gewählt. Damit war der Kölner das jüngste Stadtoberhaupt in Preußen.

Bedeutende Persönlichkeit in der Weimarer Republik

In der Weimarer Republik war Adenauer eine der stärksten politischen Persönlichkeiten. So machte er sich zunächst durch den Ausbau Kölns als "Metropole des Westens" einen Namen, was ihm jedoch durchaus auch Kritik einbrachte. Als "Großkotz" geschmäht und "einer der großen Diktatoren unserer Zeit" ironisiert, verhalf Adenauer seiner Geburtsstadt mit Bauten, Messen, Ausstellungen, der Anlage des Grüngürtels und der Gründung der Universität in den Rang einer "heimlichen Hauptstadt". Als solche wurde Köln bald zum Gegengewicht des verhassten Berlin.

Als Präsident des Preußischen Staatsrates gelang Adenauer zudem zwischen 1921 und 1933 auch zu überregionalem Einfluss. Wiederholt wurde er während der Regierungskrisen in der Weimarer Zeit auch als Kandidat für das Amt des Reichskanzlers gehandelt. Seine republikanische Einstellung, die sich mit föderalistischen und christlich-sozialen Grundüberzeugungen verband, machte den Kölner Oberbürgermeister jedoch auch bei manchem Gegner des Weimarer "Systems" verhasst. Zudem geriet Adenauer auch immer wieder in die Nähe jener separatistischen Strömungen, die ein selbständiges Rheinland - eine "Westdeutsche Republik" - anstrebten.

Mit dem Machtantritt der Nationalsozialisten 1933 endete abrupt Adenauers Karriere als Lokalpolitiker. Aus seiner Heimatstadt Köln verbannt überlebte er die Jahre des Nazi-Terrors mit seiner Familie in seinem Haus in Rhöndorf.

Erster Kanzler der Bundesrepublik

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 wurde Adenauer erneut zum Kölner Oberbürgermeister berufen. Schon nach wenigen Monaten wurde er jedoch von der britischen Militärregierung entlassen, nachdem er ihre Besatzungspolitik kritisiert hatte. Kaum war das gleichzeitig ergangene Verbot der politischen Betätigung wieder aufgehoben, konzentrierte sich der nun 70-jährige Politiker auf seine Arbeit in der neugegründeten CDU. Mit seinen politischen Konzeptionen und Programmideen sowie seinen politischen Erfahrungen aus der Weimarer und NS-Zeit machte Adenauer eine parteipolitische "Blitzkarriere".

Sein Aufstieg zum charismatischen Gründungskanzler der Bundesrepublik Deutschland und geachteten Staatsmann in der westlichen Welt ist zudem auch mit dem beginnenden Ost-West-Gegensatz und dem Beginn des Kalten Krieges zusammen. Als Präsident des 1948 geschaffenen Parlamentarischen Rates wurde Adenauer gegenüber den Ministerpräsidenten der Länder und gegenüber den Militärgouverneuren zum "Sprecher der werdenden Bundesrepublik", so der spätere Bundespräsident Theodor Heuß. Am 15. September 1949 wurde Adenauer schließlich mit einer Stimme Mehrheit - nämlich seiner eigenen - zum ersten Bundeskanzler der neugegründeten Bundesrepublik Deutschland gewählt.

"Ära Adenauer"

In den folgenden 14 Jahren seiner Amtszeit verkörperte er einen Politikertyp, wie er der Mentalität eines in der Substanz schwerversehrten Landes entsprach. Allerdings war Adenauer - konträr zu seinem großen Gegenspieler Kurt Schumacher - kein dynamischer Visionär. Seine oberste politische Zielsetzung war von Anfang an die möglichst feste Einbindung der Bundesrepublik in ein westliches Bündnis mit den USA als starker Partner und Beschützer und Frankreich als Nachbarn und Freund. Diese Politik hatte jedoch auch ihren von Adenauer bereitwillig gezahlten Preis: eine Wiedervereinigung mit der DDR wurde allen Beteuerungen zum Trotz über Jahrzehnte hinweg zur Utopie.

Die Souveränität der Bundesrepublik, die Aussöhnung mit Frankreich, die europäische Einigung und der Aufstieg Deutschlands zur wirtschaftlichen Großmacht verhalfen Adenauer zu einer hohen Popularität. Ein besonderer historischer Schritt gelang Adenauer mit dem Deutsch-Französischen Freundschaftsvertrag von 1963 - der Grundstein des deutsch-französischen Motors für Europa.

Nach seinem Rücktritt vom Amt des Bundeskanzlers 1963 wurde Adenauer jedoch kaum noch als politische Kraft wahrgenommen. Als er am 19. April 1967 im Alter von 91 Jahren starb, wurde er weltweit als Staatsmann geehrt, dem die Deutschen Freiheit und Wohlstand verdankten.

Kurzinfo: Deutscher Bundeskanzler
Der deutsche Bundeskanzler ist gemäß der Verfassung der mächtigste Amtsträger in der Bundesrepublik, obwohl er in der protokolarischen Rangordnung Deutschlands erst an dritter Stelle steht. Als Regierungschef bestimmt er die Richtlinien der deutschen Politik und schlägt zudem gemäß Artikel 64 GG die einzelnen Bundesminister vor. Der Bundeskanzler wird vom Deutschen Bundestag für vier Jahre gewählt. Vor Ablauf der Amtsperiode kann er nur durch ein konstruktives Misstrauenvotum abgelöst werden. Gemäß Artikel 65 des Grundgesetzes besitzt der Bundeskanzler die Richtlinienkompetenz. Gleichzeitig gelten das Ressortprinzip und das Kollegialprinzip: demach leiten die Bundesminister ihre Ministerien in eigener Verantwortung; Meinungsverschiedenheiten werden zudem im Gremium geklärt. Zudem übernimmt der Bundeskanzler im Verteidigungsfall die Befehls- und Kommandogewalt vom Bundesminister für Verteidigung.

Weitere Informationen:


© Tobias Daniel - alle Rechte vorbehalten


zurück - Drucken